Es naht das Osterwochenende, und auch wenn es wahrscheinlich den meisten nicht auffällt, weil sie ohnehin schon seit Wochen daheim herumsitzen, so werden sie sich doch ein wenig zurücknehmen. Und vielleicht greift der eine oder die andere dann auch zu kontemplativer Lektüre.

Anbieten würden sich da zum Beispiel drei neue Bücher aus dem Verlag Herder. Zwei davon stammen von Pater Anselm Grün, der - passend zur aktuellen Lage - neben seinem monatlichen Einfach-leben-Brief  nun auch mit "Quarantäne!"  eine Gebrauchsanweisung für ein friedliches Zusammenleben zu Hause in Zeiten der Corona-Isolation. "Mit diesem Buch möchte ich die Erfahrungen, die wir Mönche seit mehr als 1500 Jahren gemacht haben und die heute wirklich konkret helfen können, teilen", sagt der Benediktiner, der seine Zielgruppe extrem breit fasst: Singles will er ebenso ansprechen wie Familien oder WGs.

In seinem gewohnten Stil erklärt er, wie man Streit vermeiden kann, und gibt Ratschläge, wie sich die nun aufgezwungene Zeit daheim sinnvoll nutzen lässt. Und ihm ist auch wichtig, dass sich seine Leserinnen und Leser gerade jetzt auch Freiräume schaffen - freilich nicht auf Kosten anderer und unter Einhaltung der "Social Distancing"-Regeln.

Warum Anselm Grüns Buch lesenswert ist? Weil er weiß, worüber er schreibt, leben dich die Ordensleute ebenfalls in Klausur auf engstem Raum zusammen. Und zwar nicht nur für ein paar Wochen, sondern jahrzehntelang, tagein, tagaus. Und aus dieser Situation ist auch vor kurzem ein zweites Buch des Benediktinerpaters entstanden, oder besser gesagt: Anselm Grün hat einen Klassiker neu entdeckt. "Der kleine Mönch im Alltag"  von Madeleine Delbrêl ist ebenfalls bei Herder erschienen. Das Büchlein ist voller kurzer Sinnsprüche, denen jeweils eine kurze Erläuterung folgt, die aus dem Leben gegriffen ist. Sie begleiten besagten kleinen Mönch in verschiedenen Situationen. Da geht es um die Betrachtung der freien Natur ebenso wie die Wichtigkeit von Aufgaben, die Suche nach Gott oder auch das Zuhören. Was genauso als Wandkalender funktionieren würde, ist hier auf 125 Seiten zusammengetragen und sorgt für ein bisschen Nachdenklichkeit im hektischen Alltag.

Die Dynamik es Glaubens

Nicht um Hektik, aber um Unruhe geht es bei Pater Philipp Meyer. Der Benediktiner, der mit 24 Jahren ins Kloster ging, schreibt in seinem Buch "Gott macht unruhig" über brennende Herzen, verdrehte Köpfe oder Brüche und Heilungen. Er stellt "die Dynamik meines Glaubens" ins Zentrum seiner Betrachtungen, die sehr spirituell und schon auch sehr nachdenklich sind. Man muss aber kein studierter Theologe sein, um seine Sprache zu verstehen, wenn er beschreibt, wie Gott für ihn die Quelle seines Lebens ist, wie er aus Jesu Fülle lebt oder wie er Frieden findet. Und wenn er erklärt, warum er beunruhigt ist angesichts vieler Entwicklungen innerhalb und außerhalb der Kirche. Es ist kein bloßes schönes Gerede, sondern Pater Philipp Meyer geht teilweise in den Kern christlichen Glaubens und Lebens.