Der chilenische Schriftsteller Luis Sepúlveda ist am 16. April im Alter von 70 Jahren an einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

Sepúlveda, am 4. Oktober 1949 in Ovalle geboren, studierte Bühnentechnik. Seit seiner Jugend engagierte sich der Autor politisch. Er gehörte zum Kreis um Salvador Allende und war einer von dessen Leibgardisten bis zu dessen Tod infolge des Putsches in Chile am 11. September 1973.

Sepúlveda wurde daraufhin unter der Pinochet-Diktatur zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Auf Druck von Amnesty International wurde seine Gefängnishaft in einen Hausarrest umgewandelt. Das nützte Sepúlveda, um in den Untergrund zu fliehen, wo er in Valparaíso eine Theatergruppe gründete und sich am Widerstand beteiligte.

Nach seiner zweiten Verhaftung wurde er als politischer Häftling zu 28 Jahren verurteilt, die er im Gefängnis von Temuco absitzen sollte. Ein erneuter weltweiter Protest konnte die Haftstrafe in acht Jahre Exil vermindern. Bei der Abschiebung entkam er in Argentinien. Über Uruguay, Brasilien und Paraguay gelangte er schließlich nach Ecuador. In Quito gründete Sepúlveda eine Theatergruppe für Peru, Ecuador und Kolumbien. Später schloss er sich den Sandinistas in Nicaragua an.

Asyl in Deutschland

Nachdem Deutschland ihm Asyl gewährt hatte, lebte er ab 1980 in Hamburg und verdiente seinen Lebensunterhalt als Lastwagenfahrer auf der Strecke Hamburg – Istanbul. 1982 bis 1987 fuhr er als Besatzungsmitglied auf einem Greenpeace-Schiff und engagierte sich beim Walschutz. Er arbeitete auch als Journalist für den Spiegel.

Nach der Trennung von seiner deutschen Frau und einem weiteren Exil in Frankreich lebt Luis Sepúlveda seit 1996 in Gijón, Spanien.

Sepúlveda war ein Vertreter engagierter Literatur. Sein bekanntester Roman, "Un viejo que leía novelas de amor" (Der Alte, der Liebesromane las), 1989 erschienen und in 46 Sprachen übersetzt, gilt als Verteidigung des Amazonas-Urwaldes und der Kultur der Shuar. "Historia de una gaviota y del gato que le enseñó a volar" (Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte, 1996), nimmt seinen Ausgang vom Schicksal einer Möwe, deren Gefieder ölverschmiert ist, wodurch sie nicht mehr fliegen kann. Sepúlveda handelt in diesem Buch Themen wie die Verschmutzung der Meere ab und ist zugleich eine genaue literarische Studie des Hamburger Hafenviertels. (red)