Ein alter Witz geht so: Schokolade schmeckt gut, Knoblauch schmeckt gut, wie gut muss erst Knoblauch mit Schokolade schmecken. Nach diesem Rezept scheint Kyle Harper, Professor für Altertumswissenschaft an der Universität von Oklahoma, sein Buch "Fatum" zubereitet zu haben: Das antike Rom ist der Knoblauch, der Klimawandel die Schokolade. Oder umgekehrt.

Harpers spektakuläre These in Zeiten des Klimawandels: Das Römische Reich ist zerbrochen an einer kleinen Eiszeit und einem Bevölkerungsverlust durch Seuchen. Im Original ist das Buch vor drei Jahren erschienen, also lange vor der Corona-Krise. In der deutschen Ausgabe freilich passt alles zusammen: Klimawandel, Klimaflüchtlinge, Pandemie. Die gewohnten Strukturen geraten in Bedrängnis - damals wie heute.

In den drei Jahren seit der amerikanischen Erstausgabe sind freilich aus vielen der tragenden Säulen von Harpers Behauptungen tönerne Füße geworden. Zu oft füllt er die Lücken zwischen den Fakten mit Vermutungen auf. Und der Bevölkerungsverlust dürfte bei der Schwächung Roms eine weit geringere Rolle gespielt haben als die religiösen Gegensätze in Ostrom und die Scharmützel der Söldnerheere im, zugegeben, von der "justinianischen Pest" schwer getroffnen Westrom.

Spannend liest sich Harpers Buch zweifellos. Bloß liefert es mit Wetterumschwung und Seuche wohl den Hintergrund, vor dem sich das Ende des Römischen Reichs abspielte, nicht aber die Erklärung dafür.