In der IT-Branche vergeht die Zeit ja eigentlich mehr in Hundejahren. Kaum wird ein neues Endgerät veröffentlicht, ist es schon wieder alt. Wird ein neuer Stern am Himmel der Anwendungen, Webseiten und Apps gefeiert, verliert er meist auch schon von seinem Glanz.

Zeitreise und Nachlese

Ein Roboter als Interviewpartner - Spaß oder Ernst? - © afp/Beck
Ein Roboter als Interviewpartner - Spaß oder Ernst? - © afp/Beck

Und genau darin liegt auch das Dilemma der Menschen, die sich mit dieser Materie beschäftigen und darüberschreiben. Vor allem auch wenn man sich an Zukunftsprognosen und Aussagen macht, die dann ganz schnell überholt sein könnten. Und doch schafft Walter Gröbchen, seit 2017 Kolumnist der "Wiener Zeitung", mit seiner Sammlung von Kolumnen seit dem Jahr 2009 diesen Spagat, indem es nicht nur ein Blick in die Zukunft, sondern gleich auch ein Rückblick in die technischen Entwicklungen der vergangenen Dekade wurde.

Jede hinreichend fortschrittliche Technologie sei von Magie nicht zu unterscheiden, hat der britische Autor Arthur C. Clarke einst postuliert. Hier aber geht es um Entzauberung. Der gemeinsame Abstieg in den "Maschinenraum" ist der Versuch einer lustvollen, nicht mit Fachsprache, Hard Facts und technischen Details überfrachteten Expedition in den Alltag eines Durchschnitts-Users. Das ist wesentlich: "Alle Beobachtungen, Anmerkungen und Einschätzungen erfolgen aus der Sicht eines kritischen Konsumenten, nicht eines Experten", heißt es im Vorwort des Buchs. Und so beginnt die Zeitreise durch die wundersame Welt der IT-Industrie mit klingenden Namen wie Segway und Facebook, geht weiter zu Spotify und der Zukunft der Musik bis hin zu den Entwicklungen in der Automobilbranche. Oder auch die Mischung davon - etwa wenn es um die Frage geht, ob die Zukunft der Musikindustrie im Automobil liegt: "Für die Musikindustrie aber ist die Botschaft des rasanten Abhandenkommens von CD-Playern im Auto eine, die mit gemischten Gefühlen aufgenommen werden wird. Denn es bedeutet, dass vorbespielte Tonträger - gemeinhin Alben oder, falls es sich um eine bunte Auswahl von Künstlern und Songs handelt, Compilations genannt - auf dem absteigenden Ast sind." Apropos absteigender Ast oder eher Dauerbrenner: Fans des C64 werden ebenso Lesestoff finden wie TI-30-Nutzer. Auch zahlreiche negative Seiten der wachsenden Digitalisierung und Technologisierung spricht Gröbchen an - so zum Beispiel vom chinesischen Social-Credit-System und der Überwachung.

Auch Wikileaks als der Prüfstein eines radikalen neuen Medienverständnisses wird thematisiert: "Jeder darf theoretisch alles wissen, niemand muss mehr praktisch irgendetwas verstehen. Außer dass die Welt grundsätzlich schlecht ist. Das ist natürlich Quatsch. Ob aber das Web 2.0 auf Dauer ein Instrument der Aufklärung ist oder ein perfektes Orwell-Organ, wird sich erst weisen."

Am Ende des Buchs folgt ein Ausblick in die Zukunft. Die Weiterentwicklung von Robotern und deren sinnvolle oder auch gefährliche Einsatzgebiete. In "Maschinenraum" heißt es dazu: "Roboter werden Menschen immer ähnlicher. Ist das eine schlimme Botschaft für Erstere? Oder für Letztere?"