Venedig im Sommer: Das ist schwüle Hitze, gepaart mit heillos überfüllten Stegen und Kanälen. Zumindest in Donna Leons 29. Brunetti-Krimi, der freilich vor der Corona-Krise entstanden ist. Und mittendrin zwischen den Touristenmassen sucht der Commissario einen Mörder, zu dem er zunächst nicht mehr hat als die Mutmaßung einer sterbenden Hospizpatientin (eine Erfahrung, die Brunetti schwer mitnimmt). Es geht um "schlechtes Geld" und einen tödlichen Verkehrsunfall, der wohl keiner war. Eine wichtige Rolle spielt dabei Brunettis aus Neapel stammende Kollegin Claudia Griffoni. Bald wird klar, dass die Hintergründe in einem Umweltskandal liegen könnten.

Und dann gibt es für ihn noch ein Wiedersehen mit einem alten Freund, der nun Richter in Treviso ist und seinem Vice-Questore Patta dabei helfen soll, lästige Taschendiebinnen aus dem Sichtfeld zu bringen, um schlechte Presse zu verhindern. Wurde doch just die Frau des Bürgermeisters fast bestohlen (und hat dabei eine ziemliche Szene gemacht). Ja, und schließlich sind da auch noch die bereits erwähnten vielen Touristen, die dem Commissario zwar nicht das Leben schwer machen, aber ihn doch auch genauso nerven wie die Sommerhitze - und die er nicht versteht, weil sie sich um diese Jahreszeit freiwillig in die enge, stinkende Lagunenstadt begeben, aus der die Bewohner sofort flüchten würden, wenn sie nur könnten.

Und während Guido Brunettis Ermittlungen gemächlich, aber stetig dahinfließen wie der Canal Grande, ist es für den geneigten Leser wie Heimkommen. Zumal der Ehemann einer Universitätsdozentin auch geistig in die Tiefe geht und somit die Handlung nicht bloß vorbeiplätschert. Donna Leons jüngster Krimi um den venezianischen Kult-Commissario hält, was die 28 bisherigen versprochen haben. Und man freut sich am Ende schon auf Band 30, der sicher schon in Arbeit ist.

Donna Leon: Geheime Quellen
Diogenes; 320 Seiten; 24,70 Euro