"Die Taten der Toten" (Kiepenheuer & Witsch) ist einer neuer Fall des Ermittlerinnen-Duos Stina Forss und Ingrid Nyström, das 2012 in dem Buch "Später Frost" erstmals ermittelte. Zwei ungewöhnliche Kommissarinnen, die eine jung und impulsiv, die andere ruhig und erfahren, ermittelten dabei in einer vom langen Winter gezeichnete schwedischen Provinzstadt im Fall einer greisen Insektenforschers, der grausam ums Leben gebracht wurde. Seither sind sechs weitere Fälle erschienen, die sich insgesamt über 400.000 Mal verkauften. Geschrieben wurden sie von dem im schwedischen Växjö lebenden deutsch-schwedischen Autorenpaar Kerstin Signe Danielsson (Jahrgang 1983) und Roman Voosen (geb. 1973).

In ihrem achten Fall lassen die beiden ihre Ermittlerinnen auf eine vielversprechende Spur zum nie aufgeklärten Palme-Mord stoßen. Der prominente Politiker wurde am 28. Februar 1986 auf dem Rückweg aus einem Kino in Stockholm auf offener Straße erschossen. "Der Palme-Fall ist wahrscheinlich das europäische Pendant zum Kennedy-Attentat. Entsprechend groß erschien uns das erzählerische Potenzial", erzählt Voosen in einem vom Verlag verbreiteten Interview. "Palme steht für eine vergangene Epoche: Nie wieder waren soziale Aufstiegschancen, Lohn- und Bildungsgerechtigkeit, aber auch Fortschritts- und Zukunftsoptimismus politisch so etabliert wie in dieser Belle Epoque der schwedischen Sozialdemokratie. Außenpolitisch verstand es Palme die Sonderrolle des Landes im Kalten Krieg maximal in die Waagschale zu werfen."

Das Fremd- und Slebstbild Schwedens

"Nach Palmes Ermordung war diese Zeit für immer vorbei. Dennoch ist es erstaunlich, wie sehr diese Ära bis heute das Fremd- aber auch Selbstbild Schwedens prägt. Je nach politischem Blickwinkel als Ideal oder Negativbild. Dieses Spannungsfeld hat uns ungemein angesprochen", so Danielsson, die ihre Bücher in der Tradition von Autoren wie Maj Sjöwall, Per Wahlöö, Henning Mankell oder Stieg Larsson sieht: "Unsere Romanreihe ist trotz aller Blicke in den Rückspiegel der Geschichte eine Erzählung über die heutige schwedische Gesellschaft." In "Die Taten der Toten" soll eine über die bisherigen Bände geführte Rahmenhandlung zu einem spannenden, krönenden Abschluss gebracht werden.

Für die Autoren kam die Ankündigung der Staatsanwaltschaft überraschend. "Ehrlich gesagt war mein erster Gedanke: 'Oh, nein! - Da recherchieren wir acht Jahre an der Lösung eines fast unlösbaren Geheimnisses, und dann kündigt die Polizei plötzlich die Aufklärung an.' Jetzt bin ich erst einmal gespannt", sagt Voosen. "Staatsanwaltschaft und Ermittlungsleitung, die im Gegensatz zu vielen ihrer Vorgänger einen ausgezeichneten Ruf genießen, haben sich mit ihren Aussagen selbst unter extremen Druck gesetzt", ergänzt Danielsson. "Nach vierunddreißig Jahren und zahlreichen Ermittlungspannen wird die Öffentlichkeit nur von einer sehr robusten Beweislage zu überzeugen sein. Ich gehe davon aus, dass die Polizei die Tatwaffe sichergestellt hat und sie mehr oder weniger plausibel mit einer bestimmten Person verknüpfen kann."

Schon am Mittwochvormittag wird man wissen, was von dieser These der Krimi-Profis zu halten ist. Um zur Auflösung der "Taten der Toten" zu gelangen, braucht man allerdings mehr Durchhaltevermögen. Das Buch hat fast 500 Seiten.(apa)