Die Harry-Potter-Romanreihe ist 23 Jahre nach dem erstmaligen Erscheinen nach wie vor ein zeitloser Jugendklassiker. Deren Autorin, die Britin J.K. Rowling, treibt hingegen äußerst rigoros ihr eigenes Ablaufdatum voran. Rowling hatte in den letzten Jahren weniger mit erfolgreichen neuen Publikationen, sondern eher mit problematischen Aussagen bezüglich Minderheiten aufhorchen lassen.

J.K. Rowling macht es nicht allen recht. - © reuters/Carlo Allegri
J.K. Rowling macht es nicht allen recht. - © reuters/Carlo Allegri

Anfang Juni hatte die Autorin in einer Reihe von Tweets erneut Vorwürfe provoziert, dass ihr die Transgender-Community ein Dorn im Auge sei. Eine Tirade über den Begriff "Menschen, die menstruieren" als Ersatz für "Frauen" und die Angst, dass das biologische Geschlecht "Sex" von dem wandelbaren "Gender", was für die persönliche Geschlechtsidentität und Geschlechterrolle, die die Gesellschaft Männern und Frauen auferlegt, steht, abgelöst werden würde, führte zum Aufschrei. Als Opfer von männlicher Gewalt mache sie sich Sorgen, so Rowling, was passiere, wenn man "biologischen Frauen" die exklusiven Schutzräume nehme.

Es ist nicht das erste Mal, dass Rowling mit derartigen Aussagen aufgefallen ist. Im Dezember 2019 hatte sie auf Twitter den Hashtag #IStandWithMaya gepostet. Die Britin Maya Forstater hatte durch transphobe Kommentare ihren Job verloren, woraufhin sie erfolglos vor Gericht zog.

Dass eine so populäre Figur wie Rowling solche Positionen einnimmt, schmerzt. Wurde sie missverstanden? Wohl kaum, wenn man sich die Stellungnahme der Autorin durchliest, die sie auf ihrer Website jkrowling.com gepostet hatte. Darin wehrt sie sich gegen die Anschuldigung, Trans-Rechte nicht anzuerkennen. Doch viele Punkte in dem Text lesen sich wie eine "Bestenliste" dieser Mentalität.

Angefangen von negativen Auswirkungen auf die Erziehung von Kindern bis hin zur Gefahr, dass Männern sich in Damentoiletten einschleichen könnten, ist alles vertreten. Auch befürchtet Rowling in dem Statement, junge Frauen könnten plötzlich zunehmend durch Gruppenzwang Geschlechtsumwandlungen beantragen.

Anbiederung

"Je mehr Berichte ich über Geschlechtsmissstimmung lese, desto mehr frage ich mich, ob ich mich, wenn ich 30 Jahre später geboren wäre, auch einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hätte. Und so der Sohn geworden wäre, den mein Vater sich immer gewünscht hatte. Der Reiz, der Weiblichkeit zu entfliehen, wäre groß gewesen," resümiert sie und führt weiter aus, sie wäre dieser Krise mit Büchern und Musik entkommen.

Ungleich vergangener Twitter-Episoden haben sich nun erstmals die Harry-Potter-Darsteller gegen Rowlings Aussagen gestellt. Angefangen bei Daniel Radcliffe, über Emma Watson, Rupert Grint, Katie Leung, Eddie Redmayne bis hin zu einem halbherzigen Statement von Verleiher Warner Brothers. Ein weiterer Nagel im Sarg von Rowlings Reputation, den sie die vergangenen Jahre bereits eifrig mit ihrem Versuch, Harry Potter als Paradis für Minderheiten und LGBTQ-Personen umzudeuten, gezimmert hatte.

Die Figur des Albus Dumbledore "outete" sie erst nach Abschluss der Buchreihe 2007 als homosexuell, was ihr die Fans gerade noch durchgehen ließen. Als Hermine Granger 2016 in dem Theaterstück "Harry Potter und das verwunschene Kind" mit einer schwarzen Schauspielerin besetzt wurde, meinte die Autorin listig gegenüber rechten Trollen, sie habe in den Büchern ja nie ausdrücklich gesagt, dass Hermine weiß sei. Allerdings hatte die Autorin sich nie ein Blatt vor den Mund genommen, andere schwarze Figuren als solche zu identifizieren.

Rasch verstorbene Schwarze

Dem folgten weitere Versuche, Hintergrundfiguren symbolisch als Vertreter von Minderheiten vor den Vorhang zu holen. Wie etwa den einmal kurz erwähnten Anthony Goldstein, der als Beweis für jüdische Zauberer in Hogwarts gelten sollte. Diese halbherzigen Bemühungen wurden auch durch das Scheitern, ihr jüngstes Werk, die "Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind"-Filmreihe, inklusiver zu gestalten, weiter torpediert. Dumbledore offenbart weiterhin nicht seine Sexualität, und die einzige nicht-weiße Figur unter den Protagonisten ist der schnell verstorbene Charakter von Zoë Kravitz. Die Fans warfen Rowling daher nicht zu Unrecht reine Lippenbekenntnisse und Anbiederung vor.

Was bedeutet das nun für die geplante Fortsetzung für "Fantastische Tierwesen"? Die Filmreihe hatte bereits ohne Rowlings Aussagen Probleme. War der erste Teil sowohl kommerziell als kritisch noch ein Erfolg gewesen, enttäuschte der zweite. Zudem stehen neben Rowling auch Schauspieler Johnny Depp, der der Misshandlung seiner Ex-Frau Amber Heard beschuldigt wurde, und Ezra Miller, der bei der Attacke eines Fans gefilmt wurde, in der Kritik. Warner Bros ist sich dessen seit 2018 bewusst. Ein spekuliertes Startdatum für den dritten Film war Herbst 2020, es wurde aber noch vor der Pandemie auf 2021 verschoben.