Einst leitete die gebürtige Grazerin eine Lodge in Botswana, bis Christiane Grän die Lust zu schreiben wieder überkam. Denn als gelernte Journalistin fiel es ihr schwer, ganz darauf zu verzichten. Zu ihrer Überraschung avancierten ihre Frauenkrimis um ihre Heldin Anna Marx zu Bestsellern und machten den männlichen Profischnüfflern Konkurrenz. Inzwischen ist die Hauptfigur ihrer erfolgreichen Österreich-Krimis, die sie zusammen mit Hannelore Mezei verfasst, ein Mann: Kommissar Martin Glück, Chefinspektor aus Wien. Zum 100-Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele ermittelt er in der Domstadt. Ausgerechnet während der "Jedermann"-Premiere passiert ein Mord.

Mit der "Wiener Zeitung" sprach die 68-jährige Wahlmünchnerin über den Kurswechsel ins Männerfach und ihr Abenteuer-Gen.

"Wiener Zeitung": Was reizte Sie daran, Kommissar Glück nach Salzburg zu schicken?

Christiane Grän: Nach "Glück am Wörthersee" und in der Steiermark wollten wir ihn eigentlich ins Burgenland verfrachten. Aber dann besuchte meine Mitautorin und Freundin Hanni Mezei eine "Jedermann"-Aufführung und da habe ich vorgeschlagen, ihn diesmal in Salzburg ermitteln zu lassen. Das Buch sollte passend zum 100-Jahr-Jubiläum erscheinen. Gottseidank sind die Festspiele nicht ganz ins Wasser gefallen! Der "Jedermann" steht jedoch nicht im Vordergrund des Krimis, nur im ersten Kapitel gibt es die Koinzidenz des doppelten Sterbens: Der reiche Mann auf der Bühne tritt ab und der Milliardär im Publikum bricht zusammen.

Hauptsächlich dreht sich der Krimi um illegalen Medikamentenhandel. Wie sind Sie auf das Thema gestoßen?

Gesellschaftliche Hintergründe aufzuzeigen finde ich auch bei einem Krimi notwendig, ich will etwas lernen, wenn ich etwas lese. In diesem Fall haben wir den Medikamentenhandel genommen, weil Hanni sich da gut auskennt, sie hat in diesem Bereich bereits als Journalistin recherchiert.

Wie beurteilen Sie die Hassliebe zwischen Salzburg und Wien, die sich durch Ihren Krimi zieht?

Die Salzburger haben keinen Minderwertigkeitskomplex gegenüber den Wienern. Sie denken vielmehr, dass sie die besseren Wiener seien. Gleichzeitig haben die Wiener immer schon ein wenig auf das übrige Österreich herab gesehen.

Ihre ersten Krimis mit Ihrer herrlich unperfekten Hauptfigur Anna Marx, einer Bonner Klatschreporterin, boomten im Zuge der Frauenkrimis um Ingrid Noll. Warum der Wechsel zum männlichen Protagonisten?

Ich mochte den Begriff Frauenkrimis nicht und wollte nicht erneut eine Frauenfigur. Martin Glück haben wir uns nach unseren Vorstellungen zu recht gebacken, so wie wir Männer gerne mögen. Er sollte nicht so ein kaputter Kommissar sein wie in vielen Krimis. Martin Glück ist mehr der Durchschnittstyp mit ein paar Macken. Kein Frauenversteher, obwohl er es tatsächlich versucht. Das Frauen-Männer-Thema ist nie fad. Ich war viermal glücklich verheiratet - und geschieden. Was dafür spricht, dass ich eine große Optimistin bin.

Wie funktioniert die Schreibpartnerschaft mit Ihrer Mitautorin Hannelore Mezei? Wie haben Sie sich gefunden?

Hannelore ist meine älteste Freundin aus der Schulzeit. Das funktioniert, weil wir beide ähnlich ticken. Außerdem wurde sie, unabhängig von mir, ebenfalls Journalistin. Dann haben wir uns etwas aus den Augen verloren. Als ich in Botswana war, hat Hanni mir geschrieben, dass sie den österreichischen Botschafter in Zimbabwe heirate und wir uns nun in Afrika wiedersehen könnten. Tut mir leid, habe ich geantwortet, ich verlasse gerade meinen Ehemann und bin auf dem Weg zurück. Wir haben uns erst in Wien wiedergesehen, vor zehn Jahren, und unsere Freundschaft dabei aufgefrischt.

Wie läuft der Schreibprozess ab?

Wir treffen uns für eine Woche am Ort des Geschehens, diesmal in Salzburg. Wir besichtigen den Ort und entwickeln den Plot, jede schreibt dann meist zwei Kapitel und dann redigieren wir es gegenseitig. Wir diskutieren viel, aber streiten nicht, sonst hätte ich nach dem ersten Buch aufgehört. Dafür würde ich nicht unsere Freundschaft aufs Spiel setzen.

Mit Witz und spitzer Zunge war Ihre Heldin Anna Marx auf der ewigen Suche nach der Wahrheit. Haben Sie sich von ihr tatsächlich ganz verabschiedet?

Nein, ich habe sogar einen neuen Anna Marx angefangen, nach dieser langen Pause. Ich lasse sie diesmal im Altenheim ermitteln. Mit dem Thema Alter beschäftige ich mich selber ja auch. Ich hatte nach der TV-Serie ("Auf eigene Gefahr", Anm.) mit Thekla Carola Wied in der Hauptrolle ein wenig das Interesse an der Figur verloren. Wied konnte das Frauenbild, das ich transportieren wollte, leider nicht verkörpern.

Sie haben Anna einst als mein "Zweites Ich" bezeichnet. Ist sie tatsächlich Ihr "Alter Ego"?

Irgendwie schon.

Ihre Figuren haben oft keinen Glauben an Ehe und Liebe? Auch ihr neuer Kommissar ist da keine Ausnahme.

Das muss wohl mit meinen Lebenserfahrungen zu tun haben. Vielleicht kommt das Liebesglück bei Martin noch. Wer weiß. Wir schicken ihn ja peu à peu durch ganz Österreich.

Was hat Ihnen auf dem Weg zur Autorin am meisten geholfen?

Dass ich das Schreiben als Journalistin gelernt habe. Damit, finde ich, besitzt man bereits ein gewisses Handwerk als Grundlage. Auch wenn ein Buch zu schreiben natürlich etwas völlig Anderes ist. Und ich hatte schon als Kind eine blühende Fantasie, das hilft.

Und worin liegt die größte Herausforderung?

Ich habe bei meinen Büchern, die ich alleine schreibe, meist nur eine Grundidee. Dann denke ich ein, zwei Wochen über den ersten Satz nach, danach fange ich an, ohne genau zu wissen, wo ich lande. Das finde ich spannend, aber bei Krimis funktioniert es nicht so gut, und beim Schreiben im Duett schon gar nicht. Hanni und ich müssen den Plot von A bis Z schmieden.

Sie lebten in Berlin, Bonn, Botswana und Hongkong und sind heute in München zuhause. Sie haben immer wieder eine Zäsur gemacht. Was treibt Sie an?

Ich glaube, das verdanke ich meinem Abenteuer-Gen. Das habe ich auch an meine Tochter vererbt, die in Beirut studierte und jetzt in Dublin wohnt und ebendort arbeitet.

Und was lieben Sie an Wien?

Den schrägen Charme, den vermisse ich in München etwas. Außerdem kann man in Wien eindeutig besser essen als in der bayerischen Landeshauptstadt. Mein erster Weg führt mich übrigens immer ins "Schwarze Kameel", das hat Tradition. Ach, das Wiener Herz ist federleicht und weltschmerzverseucht, selbstironisch, dekadent, genial, hundsgemein und gütig. Die Stadt wirft sich ihren Klischees geradezu vor die Füße. Ich liebe Wien.

Glück in Salzburg

von Christiane Grän und Hannelore Mezei, Ars Vivendi Verlag: 2020,

220 Seiten, 14 Euro.