Was wäre zeitgemäßer als ein Buch über den Hass in unserer vom allgegenwärtigen Aufflammen dieser "starken" Empfindung geprägten Zeit? Karl Heinz Bohrer, mittlerweile fast 88 Jahre alt, hat es geschrieben, warnt allerdings einleitend, dass es ihm nicht um Gegenwartspolitik oder einen individualpsychologischen Affekt geht, sondern um eine literarästhetische Geschichte des Hasses, die dessen poetologische Signifikanz in den diskutierten Werken behandelt.

"Mit Dolchen sprechen" fügt sich insofern in die Reihe der Bücher, mit denen Bohrer in ähnlicher Weise solche Themen wie Plötzlichkeit, das Böse oder ästhetische Negativität behandelt hat. Sein neues Werk beginnt mit Shakespeare und Milton und führt über Zwischenstationen wie Kleist, Baudelaire und Celine zu Bernhard, Handke und Jelinek, um dann mit Houellebecq zu enden. Es gelingt ihm dabei, nachzuzeichnen, wie sich der Hass als Antriebsmittel und Ausdrucksform des literarischen Sprechens als roter Faden durch die Literaturgeschichte zieht.