Die Schriftstellerin Elke Erb erhält den diesjährigen Georg-Büchner-Preis. Mit der Auszeichnung an die 82-Jährige werde ein "unverwechselbares und eigenständiges schriftstellerisches Lebenswerk" geehrt, teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Dienstag in Darmstadt mit.

Erbs "poetischer Sachverstand" zeige sich in ihrer übersetzerischen Arbeit und habe mehrere Generationen von Dichterinnen und Dichter in Ost und West beeinflusst, hieß es zur Begründung. Die Jury würdigte die "prozessuale und erforschende Schreibweise" ihrer Gedichte, in denen Sprache zugleich Gegenstand und Mittel der Untersuchung sei. Erb gelinge es wie keiner anderen, die "Freiheit und Wendigkeit der Gedanken in der Sprache zu verwirklichen, indem sie sie herausfordert, auslockert".

Elke Erb wurde am 18. Februar 1938 in der Eifel geboren und zog 1949 mit der Familie nach Halle in die DDR. Nach einem Studium der Germanistik, Slawistik und Pädagogik arbeitete sie zunächst als Lektorin, bevor sie ab 1966 als freiberufliche Schriftstellerin und Übersetzerin arbeitete. Sie übersetzte hauptsächlich Werke aus dem Russischen. Ihr eigenes Werk umfasst Lyrik, Kurzprosa, prozessuale Texte, Übersetzungen, Nachdichtungen und Herausgaben.

Erbs Debüt "Gutachten, Poesie und Prosa" (1975) folgte "Der Faden der Geduld" (1978). Ihre Arbeit an einer Anthologie "inoffizieller Literatur" und ihr Protest gegen die Ausbürgerung des Bürgerrechtlers Roland Jahn führten zur Überwachung durch den Staatssicherheitsdienst. 1987 veröffentlichte sie den von der Kritik als epochal bezeichneten Band "Kastanienallee. Texte und Kommentare". Erb wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter dem Ernst-Jandl-Preis 2013 und dem deutschen Bundesverdienstkreuz 2019.

Der Büchner-Preis zählt zu den wichtigsten deutschen Literaturauszeichnungen und ist mit 50.000 Euro dotiert. Er wird am 31. Oktober Darmstadt verliehen. Im vergangenen Jahr erhielt der Autor Lukas Bärfuss die Auszeichnung.