Es war im Jahr 2006, damals sorgte Michael Peinkofer mit "Die Rückkehr der Orks" für Aufsehen. Die blutrünstige und gleichzeitig tief ironische Geschichte um zwei Orkbrüder war der Beginn einer erfolgreichen Schriftstellerkarriere, die ihn zwischenzeitlich auch in den Kinderbuchbereich geführt hat. Und so ist soeben der zweite Sammelband seiner "Piratten!"-Serie  erschienen, die nun mit dem sechsten Buch komplett ist. Wie der Name schon andeutet, sind die Seeräuber hier Ratten - wobei sie hier tatsächlich die Bösen sind.

Der Gute hingegen ist Marty Flynn, ein Mäusejunge, der als Vollwaise von einer alten Mönchsrobbe aufgezogen wird. Was Marty nicht weiß: Sein Vater war Douglas Flynn, der einst dem berüchtigten Oberpiratten Skull Rattbone dessen geraubten Schatz abgeluchst hat. Doch der als Held gefeierte Mäuserich und seine Frau, Martys Mutter, sind vor Jahren verschollen. Diese alte Geschichte wird jetzt unversehens wieder aufgerollt, als Rattbone die Tochter des Gouvernors von Portsmouse, Becky Nelson, entführt - und Marty sie rettet, gemeinsam mit ihrer Gouvernante Milly und ihrem Hauslehrer, Professor Aristoteles.

In weiterer Folge legt sich Marty mehrmals mit Rattbone sowie dessen rechter Hand, der tätowierten Ratte Rattoo, an - wir sehen, der Autor spielt mit Freude mit den Namen seiner Figuren und der Orte, an denen das große Abenteuer spielt. Freilich bedient er mit dem Kampf kluge, gute Maus versus böse, hässliche Ratte ein altes Klischee. Aber so böse kann Rattbone gar nicht sein, dass man ihn nicht doch auch ein bisschen cool findet. Mancher kleine Leser findet es dann fast ein bisschen schade, dass ein Kinderbuch unweigerlich gut ausgeht, sprich: dass am Ende die Mäuse gewinnen und die Ratten verlieren. Auch wenn es zwischenzeitlich nicht danach aussieht, wofür auch ein Spion sorgt (denn Größere freilich gleich durchschauen - überhaupt hat Peinkofer ein paar Kombinatorikaufgaben versteckt, die den Kindern beim Lösen Freude machen).

"Piratten!" bietet jedenfalls alles, was das kleine Herz begehrt: einen jungen Helden, der mit der Aufgabe wächst; eine spannende Schatzsuche voller Gefahren; wilde Degenkämpfe; ein bisschen erste Verliebtheit; und hinterlistige Aktionen der Guten und der Bösen zum Mitfiebern. Daniel Ernle setzt das Ganze in ansprechenden Schwarz/Weiß-Bildern optisch in Szene.