Das Burgenland - aus deutscher Sicht ist das eine geradezu exotische Gegend jenseits der eingefahrenen Touristenrouten. Allenfalls der Neusiedler See mag ein paar Piefkes in die Gegend hinter dem Leithagebirge locken.

Unbekanntes Territorium ist das bevölkerungsärmste Bundesland auch weitgehend in der österreichischen Literatur. In Gerhard Roths Kriminalgeschichte "Der See" (1995) spielt das Steppengewässer samt Umland die eigentliche Hauptrolle, berühmte Schriftsteller hingegen hat das Burgenland bisher nicht hervorgebracht: Solche Gegenwartsautoren wie Siegmund Kleinl, Clemens Berger oder Katharina Tiwald konnten noch keine Prominenz im deutschsprachigen Literaturbetrieb gewinnen.

Ändern könnte sich das nun mit dem 1988 geborenen Sebastian Janata, seit 2006 Schlagzeuger der Musikgruppe Ja, Panik, die seit 2009 in Berlin ansässig ist. Pop-Musiker sind ja die neuen Hoffnungsträger der Verlage, wobei dies ein Deal auf Gegenseitigkeit ist: Die Debütautoren sind keine neuen Gesichter, sondern haben bereits ein jüngeres, Social-Media-affines Publikum, können aber von der Musik nicht mehr leben und brauchen neue Verdienstmöglichkeiten.

Hugo Navratil, Protagonist von Janatas eben erschienenem Debüt "Die Ambassadorin", lebt zwar wie sein Erfinder in der deutschen Hauptstadt, kehrt aber ins Burgenland zurück, um von seinem todkranken Wahl-Opa Beppo Abschied zu nehmen. Dieser war Jäger und so führt der Roman uns in die maskuline Welt der Waidmänner ein, wobei sich aber Frauen als eigentliche Akteure in der zunehmend rätselhaft werdenden Romanhandlung erweisen.

Zwar leidet "Die Ambassadorin" an gewissen dramaturgischen Unzulänglichkeiten und kommt formal etwas bieder daher, aber das darf man unter Anfängerschwächen verbuchen. Die sich vor dem Hintergrund des Neusiedler Sees vollziehende Jagd auf ein wertvolles Objekt, an dem ein Geheimbund großes Interesse zeigt, bietet nämlich insgesamt eine durchaus spannende Lektüre, samt einem überraschenden Ende.