Was wäre Wien ohne seine Kaffeehäuser? Und was wären die Wiener Kaffeehäuser ohne ihre Oberkellner? Ganz konkret: Was wäre das Floridsdorfer Kult(ur)café Heller ohne seinen Leopold, der mit seiner kriminalistischen Ader der (teils privat befreundeten) Polizei schon ein Dutzend Mal in die Quere gekommen ist.

In seinem 13. Fall allerdings hat er das ausdrückliche Placet von Oberinspektor Juricek, im Fall einer ermordeten Ex-Schauspielerin zu schnüffeln. Und weil sein Schützling David, dem er eben erst einen Job als Kaffeehauskellner verschafft hat, plötzlich durch einen unglücklichen Zufall unter Mordverdacht steht und es ihm nun zu entlasten gilt, stürzt sich Leopold in die Ermittlungen, die ihn diesmal auch in den 18. Bezirk führen, wo er das Stammcafé der Ermordeten infiltriert. Doch er sticht natürlich genau in ein Wespennest, und es wird auch für ihn selbst nicht ungefährlich. Dabei dräuen große Veränderungen herauf: Die erst vor kurzem entdeckte Tochter zieht zum Studium nach Wien (zu Leopolds bestem Freund, was der Herr Papa nicht wissen darf). Und das Heller droht verkauft zu werden.

Was das alles mit dem titelgebenden Grillparzer zu tun hat? Nun, das mag der Leser - so wie Leopold - im Laufe der Lektüre selbst herausfinden. Währenddessen taucht man mit Autor Hermann Bauer wieder einmal tief ein in die von ihm idealisierte Welt der Wiener Kaffeehauskultur mit all ihren Marotten, Klischees, Grantlern und Liebenswürdigkeiten. Erfreulich ist dabei, dass trotz ausführlicher Milieuschilderungen der Mordfall nicht zur Nebensache gerät, sondern immer mit dabei ist.

Hermann Bauer: Grillparzerkomplott
Gmeiner; 283 Seiten; 13 Euro