Die steirische Kabarettistin Lisa Eckhart ist laut dem deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vom "Harbour Front Literaturfestival" in Hamburg ausgeladen worden. Eckhart hätte im Rahmen des Literaturwettbewerbs am 14. September im "Nochtspeicher" lesen sollen. Der Club soll die Veranstaltung wegen Sicherheitsbedenken abgesetzt haben.

"Der Spiegel" zitiert aus einem Mail des Clubs an die Festivalleitung, in dem es heißt: "Es ist unseres Erachtens sinnlos, eine Veranstaltung anzusetzen, bei der klar ist, dass sie gesprengt werden wird, und sogar Sach- und Personenschäden wahrscheinlich sind. Wir haben in den letzten Tagen bereits aus der Nachbarschaft gehört, dass sich der Protest schon formiert".

Die Festivalleitung habe Eckhart daraufhin nahegelegt, freiwillig "auf eine Teilnahme zu verzichten", wozu Eckhart und ihr Verlag nicht bereit gewesen seien. Mittlerweile heißt es auf der Homepage des Festivals: "Leider muss diese Veranstaltung entfallen."

Vorwurf: Antisemitismus

Kritiker werfen Eckhart antisemitische und rassistische Aussagen vor. Auslöser dafür war ein Auftritt für die Sendung "Mitternachtsspitzen" (WDR) aus dem Jahr 2018, in dem sie sich über Political Correctness lustig machte. Mit Verweis auf die MeToo-Debatte, Harvey Weinstein, Woody Allen und Roman Polanski, sagt Eckhart unter anderem: "Am meisten enttäuscht es von den Juden. Da haben wir immer gegen diesen dummen Vorwurf gewettert, denen ginge es nur ums Geld. Und jetzt plötzlich kommt raus, denen geht's wirklich nicht ums Geld, denen geht's um die Weiber und deswegen brauchen sie das Geld."

Eckhart hätte in Hamburg ihren demnächst erscheinenden Roman "Omama" präsentieren sollen, mit dem sie für den Klaus-Michael-Kühne-Preis nominiert war. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für das beste deutschsprachige Romandebüt des Jahres wird jährlich im Rahmen des Harbour Front-Literaturfestivals vergeben. In Wien wird Eckhart ihren Debütroman am 27. August bei den O-Tönen im Museumsquartier vorstellen.

Dieter Nuhr spricht von "Skandal"

Die Ausladung der Österreicherin schlug allerdings hohe Wellen. Kabarettisten-Kollege Dieter Nuhr postete auf seiner Facebook-Seite: "Was für ein Skandal! Der Protestmob auf der Straße entscheidet also darüber, wer hier bei uns seine Kunst ausüben darf." Nuhr weiter: "Wer Lisa Eckart Antisemitismus vorwirft, muss entweder geistesgestört sein oder böswillig. Ich fürchte, bei einigen ist es eine Mischung aus beidem." Sein Befund: "Aber Lisa Eckhart ist keine Antisemitin. Sie ist nur nicht links genug. Der Vorwurf des Antisemitismus ist lediglich der perfide Versuch, eine politisch verdächtig eigenständig denkende Person zu diskreditieren."

Der Publizist Henryk M. Broder hatte seinerzeit eine Überforderung von Publikum und "Berufsempörten" geortet.

Eckhart soll doch auftreten

Nachdem sich auch Teile des Feuilletons den Fall differenziert aufrollten, bemühen sich die Veranstalter des "Harbour Front Literaturfestivals" in Hamburg nun, Lisa Eckhart doch noch am Wettbewerb teilnehmen zu lassen. "Wir sind im Gespräch mit der Jury des Wettbewerbs und mit dem Management, ob wir nicht doch eine Lösung finden, die durchführbar und für alle Teilnehmer fair ist", sagte Nikolaus Hansen von der Festivalleitung zur APA. "Es geht uns überhaupt nicht darum, Frau Eckhart loszuwerden, im Gegenteil, wir haben alles versucht, sie drinzuhalten", betonte er. Das Festival befinde sich in "keiner schönen Rolle", es weiche der Gewaltandrohung. Allerdings hoffe, er eine Lösung zu finden, die einen fairen Wettbewerb gewährleistet. (APA/red)