Die virtuelle Realität hat es Ursula Poznanski angetan. Und so siedelt sie auch ihren neuen Roman "Cryptos" darin an, und zwar in einer mittelfernen Zukunft: Die Erde ist kaum noch bewohnbar, die Menschheit zieht sich fast 24 Stunden täglich in VR-Kapseln zurück, nur einige wenige programmieren draußen die Welten, in denen man lebt. Das geht soweit, dass selbst Ehepaare einander nur im virtuellen Raum begegnen, dort heiraten, und nur wenige bekommen ein Fortpflanzungszertifikat. Auch Sportveranstaltungen, Arbeit oder Kino finden ausschließlich virtuell statt.

In dieser heilen digitalen Welt, die so viel schöner ist als die triste Realität draußen, in der sogar in den Industrieländern Trinkwasser Mangelware ist, passiert plötzlich ein echter Mord: Nicht nur die Figur stirbt (was an sich kein Problem wäre, man erwacht aus dem Cyberschlaf und loggt sich einfach wieder ein), sondern auch die reale Person. Und weil das so ungewöhnlich ist, läuten bei der Designerin Jana, die für die betroffene Welt zuständig ist die Alarmglocken. Zumal ihre Vorgesetzten nicht sehr engagiert wirken, was die Lösung des Falls betrifft. Kurzerhand geht Jana, die zwangsbeurlaubt wird, der Sache selbst auf den Grund und begibt sich in den Cyberspace – und wird bald selbst zur Gejagten, denn sie sticht mit ihren Schnüffeleien in ein Wespennest.

Schon in ihrem gefeierten Debüt "Erebos" erzählte Ursula Poznanski einst von virtuellen Welten. Die stehen nun auch in "Cryptos" im Mittelpunkt. - © APAweb / APA /HARALD SCHNEIDER
Schon in ihrem gefeierten Debüt "Erebos" erzählte Ursula Poznanski einst
von virtuellen Welten. Die stehen nun auch in "Cryptos" im Mittelpunkt.
- © APAweb / APA /HARALD SCHNEIDER

Ursula Poznanski lässt in "Cryptos" eine wahre Weltenwelt entstehen, durch die Jana auf der Flucht vor ihren Verfolgern kreuz und quer hüpft. Dabei bespielt sie zwar auch gekonnt die Themen Klimawandel und Überbevölkerung, doch in erster Linie ist eine superspannende, rasante Jagd quer durch den Cyberspace, bei der man von Anfang bis Ende mitfiebert, was wohl als nächstes kommen mag.

Ursula Poznanski: Cryptos.
Loewe; 444 Seiten; 20,60 Euro