Pius Nordberg war Sozialarbeiter. Doch dann hat ihn ein tragisches Ereignis auf die schiefe Bahn und in die Arme von Papa Ambros getrieben. Für den Unterweltboss ist er nun als Geldeintreiber unterwegs, gemeinsam mit seinem Kollegen Bernward Kniehase - bis Papa Ambros plötzlich von seinem neuen Solarium gekillt (und wahrlich gegrillt) wird und der studierte Filius das Ruder übernimmt. Und der Juniorchef krempelt sofort den Betrieb um und führt Qualitätsmanagement und allerlei betriebswirtschaftlichen Neusprech ein. Nicht nur zum Leidwesen der verdienten Mitarbeiter, sondern auch der Firma selbst - sofern man eine kriminelle Bande überhaupt als solche bezeichnen und behandeln kann.

Jedenfalls zeigt sich rasch, dass der neue Weg der falsche ist und Kleinkriminelle nicht durch Morgenkreise und Seminare erfolgreicher werden. Was alle sehen, nur nicht Ambros junior und seine Entourage, die nun am Ruder sind. Pius kämpft aber an mehreren Fronten, denn während er sich mit den neuen Methoden herumschlägt, sucht er auch noch den Mörder von Papa Ambros - für den sich dessen Sohn nicht allzu sehr zu interessieren scheint. Und dann ist da noch Lena, die rechte Hand seines neuen Bosses, in die sich Pius sehenden Auges hoffnungslos verliebt, obwohl sie zunächst wie Hund und Katz' sind und ihm von Bernward bei jeder Gelegenheit unter die Nase gerieben wird, dass das kein gutes Ende nehmen wird. Pikant ist dabei, dass ausgerechnet Lena die neue Linie erdacht hat und durchboxt. Genau deshalb versucht sich Pius auch ständig einzureden, dass er sich nicht von ihr um den Finger wickeln lässt, sondern sie mit ihren eigenen Waffen schlägt (wer's glaubt).

Oliver Schlick spart in seinem Unterweltroman nicht mit schwarzem Humor und bitterböser Satire. Gleichzeitig schafft er es, nicht nur seinen Protagonisten Pius als liebenswerten Nicht-wirklich-Bösewicht dastehen zu lassen, sondern auch die von ihm verzweifelt angehimmelte Lena in einem Licht erscheinen zu lassen, das auch den Leser zunächst blendet, und zwar in mehrerlei Hinsicht. Wie es mit den beiden ausgeht, wer Papa Ambros umgebracht hat, und ob sich die neuen Methoden am Ende doch bewähren, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Nur so viel: Zum Schluss gibt es eine handfeste Überraschung für Pius und auch für den Leser - die ihn zugleich aber auch ein bisschen beruhigt, weil klar wird, dass der Autor bei aller satirischer Überhöhung dann doch mit einem gewissen Ernst zu Werke gegangen ist. Bis dahin bietet Oliver Schlick jedenfalls höchste Unterhaltung, die garantiert crime-zertifiziert ist.

Oliver Schlick: Das Crime-Zertifikat
Ueberreuter; 264 Seiten; 14 Euro