Die optimalen Bedingungen zum Schreiben eines Romans? Vermutlich diese gerade nicht: Casey hat den Dreißiger bereits überschritten, ist von ihrem stressigen Kellnerinnen-Job in einem Bostoner Restaurant ständig überlastet, mit den Männern läuft es auch nicht gut, noch dazu trauert sie um ihre Mutter, die vor kurzem gestorben ist.

Außerdem hat Casey über siebzigtausend Dollar Schulden (als finanzielle Nachwehen ihres abgeschlossenen Masterstudiums in Creative Writing), Panikattacken, einen Knubbel unter dem Arm, der erst noch medizinisch untersucht werden muss, keine Krankenversicherung, eine Bruchbude als Wohnung sowie wenig Zeit und wegen ständiger Übermüdung oft auch wenig Konzentration für ihre literarischen Ambitionen. Trotzdem hält sie durch und nach sechs Jahren ist sie im Endspurt für ihren Roman. Und so wie sich auf dem Papier gegen Schluss alles verdichtet, verdichten sich auch die Probleme für die noch unbekannte Autorin: Casey droht ihren Job und ihre günstige Unterkunft zu verlieren und auf der Straße zu landen.

Wie die 1963 geborene US-amerikanische Autorin und Hochschullehrerin Lily King in ihrem Vorwort anmerkt, schrieb sie mit "Writers & Lovers" jenen Roman, den sie gern gelesen hätte, als sie selbst noch eine unbekannte Autorin war und die Hoffnung hegte, einmal eine berühmte Schriftstellerin zu werden. Und dabei an einem Manko an weiblichen Vorbildern litt: "Ich las sie wieder und immer wieder, diese Geschichten junger Männer, die mit sich und dem Schreiben rangen. Aber wo waren entsprechende Bücher über Frauen? Wo waren die Bücher über ihr Ringen?" Liliy King hat sich also - als bereits vielfach preisgekrönte Autorin - an die Arbeit gemacht und widmet diesen Roman allen Frauen, "die an einem Traum festhalten, der ihnen abhandenzukommen droht".

Mit Beharrlichkeit arbeitet sich Casey nach und nach aus ihrem Tief heraus, wobei sie ihre Möglichkeiten gut abwägt. Sie könnte sich bei einem bekannten Schriftsteller, der sich in sie verliebt, ins gemachte Nest setzen und wäre alle existenziellen Probleme los. Aber es irritiert sie, dass er kein Interesse für ihr Schreiben zeigt.

Außerdem gibt es noch einen zweiten Mann, der ihr Herz heftig schlagen lässt, was sich positiv auf das literarische Schaffen auswirkt: "In der Regel bremst ein Mann in meinem Leben mich beim Schreiben, aber zwei Männer, stelle ich fest, geben mir einen Energieschub. Die Emotionen werden verstärkt, ich kann dem Leser mehr bieten."

Humorvoll und tiefgründig werden auch die Selbstzweifel der Schreibenden thematisiert, werden Befindlichkeiten und Eitelkeiten der Autoren analysiert und aufs Korn genommen, aber mit dem Schreibprozess selbst setzt sich Lily King in diesem Roman kaum auseinander. Vielleicht aus Angst, ihre Leser dadurch zu langweilen. Sie beschäftigt sich mehr mit den äußeren Einflüssen auf das Schreiben. Dabei hätte das Buch durchaus etwas mehr von den "Writers" auf Kosten der "Lovers" vertragen.

Wenn der Roman auch auf einer realen Biografie basiert und aus Lily King tatsächlich eine brillante Schriftstellerin geworden ist: Als sich am Ende alles zum Besten fügt und sich einige Verlage gegenseitig für das Manuskript einer noch unbekannten Autorin überbieten, klingt die Geschichte dann doch sehr nach dem Klischee einer amerikanischen Aufstiegs-Story.