Sommer für Sommer hat die junge Deutsche Leyla in dem kleinen Dorf in Nordsyrien bei ihren Großeltern verbracht, das für sie und ihre Familie eigentlich in Kurdistan liegt. Aber dieser Staat existiert ja offiziell nicht - und wenn es nach den Machthabern in Syrien und den benachbarten Ländern geht, dann haben auch die Kurden selbst kein Existenzrecht in dieser Region.

Jetzt ist Leyla erwachsen und die Sommer ihrer Kindheit scheinen so weit weg wie das Land selbst - dabei geht ihr der Bürgerkrieg, der in sein zehntes Jahr geht, so unglaublich nahe. Nicht nur, weil ihre Angehörigen direkt damit konfrontiert sind. Doch Leyla, die jahrelang zwischen Syrien und Deutschland gependelt ist, sitzt quasi zwischen den Stühlen: Da wie dort fehlt in der Umgebung das Verständnis für die jeweils andere Lebenswelt.

Ronya Othmann, 1993 in München geboren und mit mehreren Preisen ausgezeichnet (darunter beim Ingeborg-Bachmann-Wettlesen), erzählt in "Die Sommer" in eindringlichen Sprachbildern von einem Land und seinen Bewohnern, die seit 40 Jahren nicht zur Ruhe kommen. Sie beschreibt den syrischen Bürgerkrieg, der eigentlich lange vor den Unruhen im März 2011 begonnen hat, aus der Perspektive einer jungen Deutschkurdin, die im Laufe ihres Heranwachsens allmählich das wahre Ausmaß dessen versteht, was sich in dem zerrissenen Land, das seit den 1970ern eine Diktatur ist, abspielt.