Eine Woche bei ihrem Großvater auf dem Bauernhof in der niederländischen Einöde - wie soll Vonkie das nur aushalten? Aber es muss sein, weil daheim Eiszeit herrscht und ihre Eltern dringend Zeit für sich alleine brauchen, um ihre Beziehung zu reparieren.

Und einmal ehrlich: So schlimm ist es dann auch nicht bei Opa. Weil er Vonkie, dem Einzelkind, Anekdoten aus seiner Kindheit als einer von sieben Brüdern erzählt, während sie am Deich sitzen und im Kanal (erfolglos) angeln. Und dann ist da noch die einsame Mühle, über die ihr Cousin Schauergeschichten zum Besten gibt. Irgendein Geheimnis birgt sie aber offenbar wirklich. Aber ihr Opa will nicht darüber sprechen. Genauso wie er eisern über einen seiner Brüder schweigt, der heute am anderen Ende der Welt lebt. Also, aus seiner Kindheit mit ihm erzählt der Großvater schon, aber den Brief, den ihm sein Bruder Gisbert alias Beule (jeder hatte einen Spitznamen damals) vor kurzem aus Neuseeland geschrieben hat, den will er nicht lesen, sondern hat ihn gleich zerrissen.

Vonkie will das aber nicht hinnehmen. Ebenso wie sie fest davon ausgeht, dass ihre Eltern sich rasch wieder vertragen werden, sieht sie nicht ein, warum die beiden Brüder nicht wieder zusammenfinden sollten. Auch wenn offenbar schon vor Jahrzehnten viel zwischen ihnen zu Bruch gegangen ist. Auch darüber spricht ihr Opa nicht. Dafür wurmt ihn selbst noch heute die fehlende Erinnerung an die einzige Schwester, die als Vierjährige gestorben ist, als er ein Jahr alt war. Sein Streit mit Beule aber ist eine Art Familiengeheimnis, das streng gehütet wird. Doch Vonkie lässt nicht locker.

Langweilig ist es also tatsächlich nicht bei Opa auf dem Land. Simon van der Geest erzählt eine einfühlsame Geschichte über Brüderlichkeit, eingepackt in einen unterhaltsamen ländlichen Abenteuerroman. Und es geht in seinem Buch auch darum, Menschen so anzunehmen, wie sie sind.

Simon van der Geest: Das Abrakadabra der Fische
Thienemann; 319 Seiten; ab 10 Jahren; 15,50 Euro