Mit verstellter Stimme zu sprechen ist bekanntlich das Kennzeichen jedes Erzählens. Die Kärntner Schriftstellerin Helga Glantschnig, deren literarische Stimme man längere Zeit nicht mehr vernommen hat, nachdem sie in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre eine ganze Reihe bemerkenswerter Bücher vorgelegt hat, darunter insbesondere den autobiografischen Bericht "Mirnock" (1997), meldete sich unlängst zurück mit dem "Kriegstagebuch meiner Mutter". Nun folgt der Erzählungsband "Mit verstellter Stimme", ihre erste literarische Veröffentlichung seit rund zwei Jahrzehnten. Das Buch versammelt nicht etwa unterschiedliche Texte, die bereits verstreut erschienen sind, sondern ist vielmehr ein streng konzipiertes Erzählwerk.

Der Band enthält knapp 30, zumeist vier bis fünf Seiten lange Texte, die allesamt gleichförmig-sachliche Titel tragen wie "Eine Glaskugel", "Ein Maulwurf" oder "Ein Selbstmörder", und von toten Dingen bis zu nicht sprachmächtigen Tieren und Menschen, deren Stimme marginalisiert wird, reicht das Spektrum der Sprechenden, die Glantschnig - ganz wie der Titel ankündigt - mit verstellter Stimme zu Wort kommen lässt.

Ihrer einfallsreichen Erzählerin gelingt es dabei, jedes Mal eine andere Stimmlage erklingen zu lassen, wodurch das Sammelsurium der Monologe zu einem viel-stimmigen Chor wird. Eindrucksvoll stellt Helga Glantschnig daher "mit verstellter Stimme" unter Beweis, dass sie unverändert eine der besten Schriftstellerinnen Österreichs ist. Ein Glück für uns Leser, dass ihre literarische Stimme nach so langer Zeit wieder zu vernehmen ist.