Das Buch hat einen netten altmodischen Titel, der nur aus dem Namen der Hauptfigur besteht, wie "Effi Briest" oder "Daniel Deronda", und der Held zeigt uns mit seinem Namen auch gleich an, worum es hier geht: um Helden nämlich.

Da haben wir eine Erzählerin, ein offensichtliches Selbstporträt der Autorin, die da, nicht mehr jung an Jahren, sich Gedanken macht über den Begriff des Heldischen in unserer, wie so gern und modisch gesagt wird, "postheroischen Zeit". Mit jener gelassenen und dabei sehr wachen Ironie - die sie mit dem geschätzten Vorläufer, ihrem Landsmann Theodor Fontane, verbindet - beschreibt Monika Maron, wie sie ihren bürgerlich-gebildet-fortschrittlichen Freunden auf die Nerven fällt, bloß indem sie wiederholt von ihren Lektüren in Sachen Heldentum erzählt und sich um eine aktuelle Begriffsbestimmung bemüht, da ja die Frage bleibt, ob man einen solchen fast menschheitsalten Begriff so einfach aus der Liste der klassischen Tugenden streichen könne.

Und dann die Zufallsbekanntschaft mit dem Herrn Lanz, von dem hier nur berichtet sei, dass er als Physiker an einem Institut arbeitet, das sich mit vogelschonenden Beschichtungen für Windräder beschäftigt, und der am selben Institut einen guten Freund mit einem nicht minder sprechenden Namen hat: Gerald Hauschildt. Dieser Hauschildt gehört nun zu den anstrengenden Zeitgenossen, die die ganze Theorie vom menschengemachten Klimawandel und der fatalen Wirkung des Gases CO2 für einen ausgemachten Schwindel halten - und damit nicht genug, er muss auch noch auf Facebook dementsprechend polemisieren und auf das Bonmot kommen, die diesbezügliche Politik führe uns geradewegs in ein "viertes Reich".

Und da kommt es dann, durch die Denunziation einer Kollegin, an dem Institut zum Eklat, von wegen der Herr Doktor Hauschildt beharre nicht nur auf einer total unwissenschaftlichen und, hört!, hört!, politisch rechten Position, sondern schade damit auch unmittelbar dem Institut, für das er arbeite.

Und da, bei der entscheidenden Sitzung, erhebt sich nun die Frage, ob der stille, schüchterne, geradezu ängstliche Artur Lanz, der überdies nichts von der wissenschaftlichen Sicht seines Freundes hält, im Namen der Meinungsfreiheit schließlich doch für ihn eintreten wird.

Mit ihrem Lebenshintergrund der jugendlichen DDR-Dissidentin, die 1988 in den Westen übersiedelte, bietet Monika Maron hier auf brillante Weise ein Lehrstück zur heutigen Lage der Meinungsfreiheit, die, zunächst doch sehr überraschend, nicht nur in englischsprachigen Landen, sondern auch in Deutschland unversehens ein Luxus geworden ist, den sich -von ein paar notorischen Pensionisten abgesehen - kaum noch jemand leisten kann und will.