Jack Harper und Rob McEvoy haben einst gemeinsam Musik gemacht. Doch während Robs Karriere ihm ein richtiges Vermögen und eine Villa in Los Angeles  eingebracht hat, kämpft Jack jetzt als Immobilienmakler in New York darum, seine kleine Mietwohnung Monat für Monat zu bezahlen. Was beide gemeinsam haben: eine unglückliche Ehe. Während Rob das Problem für sich durch Affären am laufenden Band löst, bleibt Jack treu, weil er trotz allem glaubt, seine Ehe noch irgendwie retten zu können, vor allem seinem kleinen Sohn zuliebe. Doch dann sät Rob mit allerlei spitzen Bemerkungen den Samen der Untreue in Jack, und dieser beschließt, sich "nur umzuschauen" in den Weiten des Internet. Gibt es doch eigene Dating-Websites für Verheiratete, wo untreuewillige Partnerinnen zu finden sind. Wirklich betrügen will Jack seine Noch-nicht-Ex-Frau gar nicht, allein das Gefühl, dass es da draußen eine andere gibt, die ihn attraktiv findet, dass er endlich wieder einmal begehrt wird, gibt ihm schon einen Riesenkick. Und so beschränkt er sich aufs Chatten mit einer scheinbaren Seelenverwandten.

Doch es bleibt dann natürlich doch nicht dabei, irgendwann kommt unweigerlich der Punkt, an dem es doch zum Treffen kommen soll. Und ab da geht es bergab für Jack, in die tiefsten Tiefen seiner persönlichen Hölle. Denn statt eines heimlichen Dates, bei dem "nichts muss, aber alles kann", findet er sich plötzlich unter Mordverdacht in Polizeigewahrsam und hat einen Ermittler im Nacken sitzen, der offenbar eine sadistische Ader hat und ihn zu Fleiß vor seiner Frau bloßstellt. Und der die Leine zwar immer wieder locker lässt, sie dann aber umso fester zieht.

Für Jack beginnt ein tödlicher Spießrutenlauf, in dem es nicht mehr bloß darum geht, sein Gesicht zu wahren, sondern um die nackte Verteidigung seiner Freiheit. Sieht es doch zeitweise wirklich schlecht für ihn aus angesichts belastenden Beweismaterials, gepaart mit eigener Blödheit zu Beginn der Affäre. Jason Starr hat keinerlei Mitleid mit seinem Protagonisten. Im Gegenteil, wenn man glaubt, jetzt reicht es aber, jetzt muss das Leiden doch endlich ein Ende haben, fällt dem Autor eine weitere Grausamkeit ein, die er seinem Ich-Erzähler antun kann. Bis man nach atemlosen 390 Seiten als Leser alles mit Jack durchgestanden hat - und dann das Ende erst recht eine bitterböse Überraschung bereithält. Freilich hätte Jason Starr seinen Lesern die Botschaft, dass erstens ein Seitensprung keine Beziehung retten kann und zweitens das Internet nichts vergisst, auch anders näherbringen können. Wie er es hier tut, macht aber einfach viel Spaß - obwohl sein Thriller fast gänzlich ohne Sex auskommt.