Wenn man klein ist, dann ist alles noch größer: die Menschen, die Autos - und natürlich die Häuser, zumal die Hochhäuser einer Großstadt. Sydney Smith fängt dieses Gefühl in ihrem neuen Bilderbuch eindrucksvoll ein. Da führt ein Kind den Leser durch seine Heimatstadt, die voller Gefahren lauert, aber auch das eine oder andere Plätzchen zum Ausruhen und Geheimverstecke bereithält. Dass der Streifzug einen tieferen Sinn hat, erfährt man erst kurz vor Schluss: Die vielen Tipps, wo man besser (nicht) hingehen sollte, richten sich nämlich an eine entlaufende Katze. Und das Kind, das zwischen Angst und Hoffnung schwankt, schickt seine Botschaft in den winterlichen, grauen, nebeligen Äther des städtischen Molochs, auf dass sie bei dem kleinen Streuner ankomme und er sich zurecht finde auf dem Weg zurück nach Hause. 

Sydney Smith zeichnet bunte Bilder, die mal trist, mal bedrohlich, mal friedvoll, mal aufregend wirken - so vielschichtig, wie halt eine große Stadt ist, in der Kinder einen Raum finden, wenn sie ihn suchen, aber eben auch ängstlich dunkle Gassen rasch durchqueren, die ihnen nicht geheuer sind. Und was dieses Buch von anderen unterscheidet: Es geht nicht explizit gut aus. Die Autorin lässt offen, ob die Katze nach Hause kommen wird oder nicht. Freilich, einen Hoffnungsschimmer gibt es - in Form einer Katzenpfotenspur auf dem letzten Bild . . .

Sydney Smith: Unsichtbar in der großen Stadt
Aladin Verlag; 40 Seiten; ab 4 Jahren; 18,50 Euro