Der schwedische Schriftsteller Jan Myrdal ist tot. Er starb am Freitag im Alter von 93 Jahren. Nach Angaben der Zeitung "Aftonbladet" war er zuvor mit einer mutmaßlichen Blutvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Myrdal galt zumal in seiner schwedischen Heimat oft als "Sohn zweier Nobelpreisträger": Seine Eltern waren Alva Myrdal, die 1982 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, und Gunnar Myrdal, der acht Jahre zuvor den Wirtschaftswissenschafts-Nobelpreis erhalten hatte.

Myrdal wurde am 19. Juli 1927 in Stockholm geboren und erlebte seinen Durchbruch als Autor 1963 mit dem Buch "Rapport från kinesisk by" ("Bericht aus einem chinesischen Dorf"). In diesem und weiteren Reisebüchern zeigte Myrdal seine eigenen Erfahrungen in Fernost auf. Parallel schrieb er jahrelang als Kolumnist für verschiedene schwedische Zeitungen, Anfang der 70er Jahre gründete er zudem die linksradikale Zeitschrift "Folket i Bild".

Problematische Positionen

International machte sich Myrdal als linker Erfolgsautor einen Namen, der häufig auch aneckte, etwa mit seinen Ansichten zu den Roten Khmer in Kambodscha. Er verteidigte auch die Fatwa gegen Salman Rushdie als juristisch korrekt und versuchte, das Massaker 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking aus der Sicht der Kommunistischen Partei Chinas zu verstehen. Zuvor hatte er auch die Untersuchungen zum Mord am schwedischen Regierungschef Olof Palme scharf kritisiert. 2006 sagte er, Karikaturen des Propheten Mohammed könnten nicht mit Prinzipien der Meinungsfreiheit gerechtfertigt werden.Von Myrdals Werken wurden viele auch ins Deutsche übersetzt. Sie waren oft persönlich und privat, seine Botschaften an die Leser aber immer auch politisch. Schon vor seinem literarischen Durchbruch engagierte er sich für den Frieden in der Welt, er war auch ausgesprochener Atomwaffengegner. In den 1980er Jahren veröffentlichte Jan Myrdal drei sensible, ehrliche und erhellende Bücher über seine problematische Kindheit und Jugend im Schatten dieses Nobelpreisträger-Paares, dafür gab es von den Kritikern viel Lob.

Der Sterblichkeit bewusst

Wenige Menschen seien sich ihrer eigenen Sterblichkeit so bewusst gewesen wie Myrdal, schrieb die frühere Vorsitzende der Myrdal-Gesellschaft, Cecilia Cervin, in einem Nachruf. Diese Erkenntnis habe ihn nicht gelähmt, seinen enormen Arbeitseifer stattdessen nur weiter angespornt. Schon als Teenager sei er sich bewusst gewesen, dass er schreiben sollte.

Literarischen Ruhm habe er dabei nicht gesucht, vielmehr politische Wirkung, um sich für eine bessere Gesellschaft und eine bessere Welt einzusetzen, so Cervin. "Und er wusste, dass die Zeit knapp war - nur ein schnell verschwindendes Menschenleben." Dieses Bewusstsein habe Myrdal dazu angetrieben, zu lesen, zu sprechen und zu schreiben. "So hinterlässt er auch eine seltene umfassende Verfasserschaft, eine der großen literarischen in Schweden, die nicht nur im Umfang, sondern vor allem qualitativ groß ist." (apa)