Rasmus Nyborg und Vibeke Boisen ermitteln in "Nordlicht - Die Spur des Mörders" wieder gemeinsam. Der etwas heruntergekommene Däne, dessen jugendlicher Sohn einst an einer Überdosis gestorben ist, und die pedantische Deutsche, die bei Pflegeeltern aufgewachsen ist, geben ein unterhaltsames Krimigespann ab, das einander ebenso auf den Geist geht, wie es einander ideal ergänzt. Wenn Vibeke nicht gerade einen gefährlichen Alleingang wagt und Rasmus auf sämtliche Regeln pfeift - oder vielleicht vor allem dann.

Die beiden treffen jedenfalls wieder aufeinander, weil mitten in Flensburg ein Angehöriger der dänischen Minderheit ermordet wurde. Und rasch baut die Politik gehörigen Druck auf, denn der Fall muss rasch gelöst und ein Sündenbock gefunden werden, bevor es heikel wird. Doch die Spurensuche erweist sich als extrem schwierig und enervierend, zumal Vibeke mit ihrer eigenen Vergangenheit im Kinderheim konfrontiert wird. Denn der Tote war selbst ein Heimkind der Nachkriegszeit. Und schon ist er da, der lange Schatten, den der Nationalsozialismus auf die Ermittlungen in der Gegenwart wirft.

Anette Hinrichs gräbt tief in der deutsch-dänischen Zeitgeschichte und befasst sich mit dem Umgang damit. Vor allem aber breitet sie das Seelenleben ihrer beiden Protagonisten vor dem Leser aus. Wer bereits "Nordlicht - Die Tote am Strand" gelesen hat, kann hier nahtlos ansetzen. Man muss den ersten Krimi um Vibeke und Rasmus aber nicht gelesen haben, um der Handlung folgen zu können. Phasenweise ist die Geschichte ein wenig langatmig, sie hält aber immer wieder spannende Wendungen bereit.

Anette Hinrichs: Nordlicht - Die Spur des Mörders
Blanvalet; 474 Seiten; 10,30 Euro