Bernhard Görg wandelt wieder - zum bereits fünften Mal - auf Georg Kreislers Spuren, der in seinem Lied "Biddla Buh" eine gewisse Adelheid gleich nach Dürnstein in die Donau warf und feststellte: "Grad bei Dürnstein ist die Donau doch so wunderschön". Warum einem bei "Dürnsteiner Himmelfahrt" genau diese Textzeile in den Sinn kommt? Weil der frühere Wiener Vizebürgermeister in seine Wachau-Krimis wie das Amen im Gebet stets vier Dinge verpackt: erstens eine spannende Polizeiermittlung, bei der man bis zum Schluss als Leser niemals selbst draufkäme, wer der Mörder ist; zweitens einen (hoffentlich leicht überspitzten) Einblick in das Intrigenspiel von Landespolitik und hohem Beamtentum; drittens - damit zusammenhängend - zum Teil fast schon an Karikaturen grenzende Charaktere; und viertens eben eine Liebeserklärung an diese Gegend entlang der Donau.

Und so nimmt es kein Wunder, dass seine Chefinspektorin Doris Lenhard bei der Suche nach dem Mörder einer reichen Dürnsteinerin und bei der Klärung des fragwürdigen tödlichen Unfalls eines Antiquitätenhändlers alle paar Seiten entweder selbst vom Ausblick auf die Donau schwärmt oder von ihrem Gegenüber darauf hingewiesen wird. Bernhard Görg, geboren in Horn, aufgewachsen in Krems, setzt diese Liebeserklärung trotzdem dosiert genug ein, dass sie dem Leser nicht auf die Nerven geht. Ebenso wie seine Figuren, vom vertrottelten, aber mit ungesund überhöhtem Selbstbewusstsein ausgestatteten Gruppeninspektor über den karrieregeile, aber unfähigen Landespolizeidirektor und den eiskalt berechnenden, aber irgendwie doch gutherzigen Landeshauptmann bis zur verbitterten und vom Leben enttäuschten pensionierten Gemeindesekretärin, die mit ihrem Ruhestand und der damit einhergehenden Machtlosigkeit hadert. Und mittendrin Doris Lenhard und ihr Stellvertreter Gerhard Malzacher, genannt Spencer (man ahnt, warum), die einerseits ermitteln und sich andererseits als Getriebene im landespolitischen Intrigenspiel zur Wehr zu setzen versuchen. Wem dabei Bernhard Görgs Sympathie gehört, ist klarer als das Donauwasser.

Als Wiener ÖVP-Chef sammelte Bernhard Görg in den späten 1990ern jede Menge politische Erfahrungen, die er nun in seine Krimis einfließen lässt. - © APAweb / APA / Techt Hans Klaus
Als Wiener ÖVP-Chef sammelte Bernhard Görg in den späten 1990ern jede Menge politische Erfahrungen, die er nun in seine Krimis einfließen lässt. - © APAweb / APA / Techt Hans Klaus

Es macht jedenfalls großen Spaß, sich vom Wiener Alt-Vizebürgermeister auf 315 Seiten einmal mehr einen Kombinatorik-Krimi voller Seitenhiebe erzählen zu lassen. Auch wenn man nur ahnen kann, welche realen Personen sich vielleicht in seiner Geschichte erkennen und sie weniger unterhaltsam finden. Aber das kann seinen Lesern ja herzlich egal sein . . .

Bernhard Görg: Dürnsteiner Himmelfahrt
edition a; 315 Seiten; 16,90 Euro