Lockdown ist. Brauchen Sie etwas, um die Laune zu heben? Um abzulenken? Um ein paar schöne Stunden zu verbringen? Unter diesem Gesichtspunkt haben wir unsere persönliche Liste der Bücher zusammengestellt, die uns vergnügte und spannende Stunden beschert haben - und denen das bei Ihnen aller Wahrscheinlichkeit nach auch gelingt. Probieren Sie’s aus!

Die Känguru Chroniken

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Wann wenn nicht jetzt ist es an der Zeit für die Solidarität der werktätigen Massen und - let’s face it - ein bisschen was zum Lachen. Marc-Uwe Klings mittlerweile vierbändige Reihe zum kommunistischen Känguru, das ungefragt eines Tages bei ihm einzieht, ist längst Legende. "Mainstream" würde das Känguru vermutlich verächtlich sagen. Kling verbindet in den Büchern (und von ihm selbst gesprochenen großartigen Hörbüchern!) zwei Dinge, die eigentlich nur wenig zusammenpassen: linke Systemkritik und herzhaften Humor. Genau das macht seine Gedankengänge so anregend. Der gleichnamige Kino-Film zu den Büchern wurde im März dieses Jahres selbst Opfer des Virus und kann nun auf den gängigen Plattformen gestreamt werden. (bau)

Atemübungen

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Anne Tyler? Nie gehört. Im englischsprachigen Raum gehört die 79-Jährige zu den meistgelesenen Schriftstellerinnen, hierzulande sind ihre 23 Romane und zahlreichen Erzählungen indes kaum bekannt. Das sollte sich schleunigst ändern! Tylers Romane handeln von Familien und der Frage, wie ein Leben glücken kann, sie sind angenehm unaufgeregt und handlungsarm, aber es gelingt der US-Autorin jedes Mal aufs Neue, einem das verkorkste Innenleben der Figuren nahezubringen. Ihr bekanntester Roman, für den sie 1989 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde, ist "Atemübungen". Ein Paar, verheiratet seit 28 Jahren, fährt mit dem Auto zum Begräbnis einer Jugendfreundin, während der langen Fahrt lassen Maggie und Ira ihr Leben Revue passieren. Anne Tyler genügt ein einziger Tag, um die Normalität und Absurdität eines langjährigen Ehelebens dank ihrer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe und ihres psychologischen Feingefühls aufzurollen. Autor Nick Hornby sagte einmal über die Autorin: "Anne Tyler hat mein Leben verändert." Versuchen Sie es selbst! (pat)

Bartleby, der Schreiber

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Vom amerikanischen Autor Herman Melville kennt eigentlich jeder den großen Seefahrerroman "Moby Dick". Die vergleichsweise kurze Erzählung mit dem Titel "Bartleby, der Schreiber" ist bedeutend weniger bekannt. Sie spielt auch nicht auf Schiffen oder auf dem offenen Meer, sondern in diversen Büros in der New Yorker Wall Street. Der Ich-Erzähler ist demzufolge auch kein heldenhafter Kapitän, sondern ein biederer Anwalt, der von sich selbst sagt: "Ich zähle zu den Anwälten ohne Ehrgeiz." Und dieser Mann berichtet von Bartleby, einem Kanzleischreiber, der sich auf eine Zeitungsanzeige bei ihm meldet und in der Kanzlei zu arbeiten beginnt. Wobei das Wort "arbeiten" auf die Existenzweise von Bartleby nicht wirklich zutrifft. Denn sehr bald beginnt der seltsame Mann immer mehr Tätigkeiten abzulehnen, die ihm aufgetragen werden, wobei er die immer dieselbe Formulierung benützt: "Ich möchte lieber nicht." Sogar seiner Kündigung und der Aufforderung, das Büro zu verlassen, widersetzt sich der seltsame Angestellte mit der stereotypen Redewendung: "Ich möchte lieber nicht." (hoff)

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Die Schule der magischen Tiere

Die Lockdown-Literatur ist nicht immer etwas, das man frei wählen kann. Manchmal wird sie sehr liebevoll vom ganz praktischen Leben serviert - etwa als allabendliche Vorleseliteratur. Für den Lockdown empfiehlt sich dabei Mehrbändiges, nicht ganz Sinnfreies: "Die Schule der magischen Tiere". In der aktuellen Kinderbuchreihe der deutschen Schriftstellerin Margit Auer sind bisher 11 Bände der Hauptreihe erschienen, dazu sechs Sonderbände. Im Mittelpunkt steht eine gerade noch vorpubertäre Schulklasse, deren Lehrerin soziale Probleme nach und nach mit magischen Tieren löst. Nahe genug an der Lebensrealität von Kindern zwischen 6 und 12 Jahren. Und doch mit einer Brise Magie. Den Text dabei einfach nur über die Lippen rauschen zu lassen ohne verstehenden Umweg über das Gehirn, ist dabei keine Option. Außer man will den unverhofften Fragen im Morgengrauen à la "Wie heißt das magische Tier von der Luna?" immer nur mit Schulterzucken begegnen. Wir beginnen gerade Band neun, lang darf die Pandemie nicht mehr dauern. (jubel)

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Elisabeth II.

Thomas Bernhards Stücke strotzen oft vor Humor und vor bissigen, endlos repetitiv gesetzten Zeitkommentaren, und "Elisabeth II." ist darin vielleicht sogar die Meisterin im Gesamtwerk des Wortkünstlers. Der 87-jährige Großindustrielle Herrenstein empfängt eine "feine Gesellschaft" in seiner Jugendstil-Villa am Ring, von deren Balkon aus man die in Kürze vorbeifahrende Königin Elisabeth II. sehen kann. Bis es so weit ist, ist es ein Gezeter von Herrenstein mit seinem Diener Richard und der Haushälterin Fräulein Zallinger. Die Geschichte endet tragisch, doch zuvor stellt sich die Frage: Wohin verreisen nach diesem abscheulichen Empfang? Nach Altaussee, in die Karpaten oder auf den Semmering? Solch eine Vielfalt an Zielen weckt wahrlich Hochstimmung im Lockdown. (greu)

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Die Fuck-it-Liste

Ein Thriller, eine Satire und eine Auseinandersetzung mit den USA unter Donald Trump. John Niven verpackt all das in sein neues Buch "Die Fuck-it-Liste". Und genau diese Mischung macht den Reiz aus. Vor allem aber lädt Niven zum Denken und Nachdenken ein, auch über die eigenen Vorurteile. "Die F*ck-it-Liste" spielt in den USA im Jahr 2026. Nach zwei Amtszeiten von Donald Trump, ist nun seine Tochter Ivanka Präsidentin der USA. Die Hauptfigur des Buches ist der 60-jährige Frank Brill, dessen Leben in der zehnjährigen Trump-Ära aus den Fugen geraten ist und der aufgrund einer Krebserkrankung im Endstadium, dem Tod geweiht, eine Abschussliste, auf der weiße, alte Männer stehen, denen er (Mit-)Schuld am Verlauf seines Lebens gibt, erstellt. Diese reicht vom Vergewaltiger eines Jugendfreundes bis hin zu zahlreichen Politikern, denn Frank sieht sich und seine Familie als Opfer ihrer Politik. Ob am Ende nun das Verbrechen siegt oder Recht und Ordnung letztendlich doch triumphieren, kann nicht beantwortet werden - gibt es doch immer zwei Seiten der Geschichte. (grex)

Mein Lieblingsmord

Gönnen Sie sich was Gutes - gönnen Sie sich Ambrose Bierce! Bierce muss als einer der großen amerikanischen Erzähler im deutschsprachigen Raum erst noch entdeckt werden. Der Insel-Verlag hat die Auswahlbände "Mein Lieblingsmord", "Horrorgeschichten" und "Der Mönch und die Henkerstochter" im Programm. Bierces Erzählungen sind kurz, pointiert, alles Überflüssige weggeschliffen. Und jetzt schnell alles vergessen, was man an Grusel- und Mordgeschichten kennt: "Nachdem ich meine Mutter unter Umständen von einzigartiger Scheußlichkeit ermordet hatte, wurde ich festgenommen und einer Gerichtsverhandlung unterzogen, die sieben Jahre dauerte." So beginnt "Mein Lieblingsmord". Die Erzählungen - literarische Vorwegnahmen von TV-Serien wie "Alfred Hitchcock präsentiert" oder "Geschichten aus der Gruft". Seine skurrilen Misanthropien machen (ja, das gibt’s in diesem Genre) gute Laune! Nicht alles hintereinander lesen. Lesen Sie alle anderen Bücher unserer Liste. Und in den Pausen dazwischen genießen Sie einen Bierce! (eb)