Vortrefflich werden bestimmte Frauen gern genannt, und zwar von den Frauen und Männern, die mit ihnen zu tun haben und sich ganz offenbar selber nicht so vortrefflich dünken. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund leben diese Vortrefflichen allein, haben, wie man landläufig herzlos zu sagen pflegte, keinen abgekriegt und sind - gerade deshalb? - eben jene, bei denen die weniger Vortrefflichen um Trost, Rat und Hilfe einkommen, wenn in ihrem vergleichsweise bewegten Leben wieder einmal Turbulenzen auftreten.

Die Frau ist weggelaufen nach einem wüsten Streit, in der Abwasch türmt sich das Geschirr und der Verlassene hat nur noch die Kraft, sich einen Stock höher zu schleppen. Dort wohnt Mildred, die Ich-Erzählerin und Heldin der Geschichte, und kocht ihm Tee, tröstet ihn, sie wird auch einen Brief an die Weggelaufene schreiben in Sachen der Möbel, die irgendwie aufgeteilt werden müssen, und deren Abtransport überwachen.

Barbara Pyms bekanntester, 1952 unter dem Titel "Excellent Women" erschienener Roman ist voriges Jahr auf Deutsch wieder aufgelegt worden, und das ist ein großes Glück, jedenfalls für Leute wie mich, die sich bei der Schilderung dieser potentiell endlosen Reihe kleiner, mittlerer und auch winzigkleiner Katastrophen schieflachen und gleichzeitig sich des Grusels kaum erwehren können, den die minutiöse Beschreibung des gewöhnlichen, normalen Lebens mit sich bringt. Andere, sagen wir, eher spannungs- und Fantasy-affine Leser mögen das fad finden, mir allerdings war die Frage, ob die kokette Mrs. Gray am Ende den Pastor heiraten wird und was dann aus dessen reizender Schwester werden soll, die bisher für ihn gesorgt hat, suspense genug.

Es ist nicht nur jene, wie die auf dem Umschlag zitierte Anne Tyler sagt, "herzzerreißende Lächerlichkeit des Alltags", deren Evokation die schier zeitlose Qualität von Pyms Prosa ausmacht: Es ist dieser durchdringende und zugleich milde Blick auf das Gewebe des Alltags überhaupt. Wie Philip Larkin, ein anderer ihrer Bewunderer, einst anmerkte, macht Barbara Pym uns den Mut bewusst, den es braucht, um sich den kleinen Herausforderungen jedes neuen Tages zu stellen.

Genau davon handeln, mit nie nachlassender Intensität und Genauigkeit, auch ihre anderen Romane. Heuer hat der DuMont Verlag erfreulicherweise einen zweiten auf Deutsch herausgebracht, "In feiner Gesellschaft" ("No Fond Return of Love", 1961). Darin betreibt die Heldin, die der aus den "Vortrefflichen Frauen" sehr ähnelt, eine Art Selbsterforschung. ",Was nützt mir mein Auge für solche Details?‘, sinnierte Dulcie. Eine Schriftstellerin bin ich nicht, ein Privatdetektiv auch nicht. Eine Gabe wie meine bereichert das Leben, sollte man denken, aber so oft ist das, was man beobachtet, weder lustig noch spannend, sondern nur beunruhigend."

Am Ende hat diese Gabe nicht nur die Bücher von Barbara Pym bereichert, sie bereichert nun, viele Jahre später, auch unser Leserleben, hoffentlich auch in weiteren Bänden dieser schönen und souverän übersetzten Ausgabe.