Fabjan Hafner (1966-2016) war ein unermüdlicher Autor und Übersetzer. - © Musil-Haus, Klagenfurt
Fabjan Hafner (1966-2016) war ein unermüdlicher Autor und Übersetzer. - © Musil-Haus, Klagenfurt

Der Kärntner Slowene Fabjan Hafner (1966-2016) war ein zweisprachiger Lyriker, Übersetzer vieler Werke, Literaturwissenschafter und engagierter Vermittler zwischen der slowenischen und deutschsprachigen Literatur, und ein besonderer Kenner des Werks von Bob Dylan und anderer Pioniere der Rockmusik.

Im Nachwort des posthum veröffentlichten, zweisprachigen Gedichtbuchs beschreibt Dominik Srienc die literarische und publizistische Entwicklung Hafners, die erstaunlich früh begann, um das Jahr 1981. Mit fünfzehn Jahren hatte Fabjan Hafner Gedichte des Dichters Gustav Janu ins Deutsche übertragen, die von Peter Handke bei einem Vortrag in Klagenfurt gelesen wurden, wobei Hafner beide Dichter damals persönlich kennenlernte.

Ab 1983 veröffentlichte Hafner eigene Gedichte in der Kärntner Zeitschrift "Mladje" ("Nachwuchs"), engagierte sich als Co-Herausgeber zweier literarischer Anthologien (slowenisch-deutsch), studierte ab 1984 in Graz und schrieb eine Diplomarbeit über das Werk von Gustav Janu. Danach folgten Lehrtätigkeiten an den Universitäten von Graz und Ljubljana; ab 1998 war Hafner wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kärntner Literaturarchiv (Robert-Musil-Institut) in Klagenfurt.

Seine Tätigkeit als Essayist und Übersetzer ist beeindruckend, was die Anzahl der Werke betrifft. Hafner ist Autor eines Buches über Peter Handke ("Unterwegs ins Neunte Land"), in dem er den Einfluss der slowenischen Landschaft und Sprache auf den späteren Nobelpreiseträger hervorhebt. Seine Übersetzungen, vorrangig aus dem Slowenischen, aber auch aus dem Kroatischen und Serbischen, umfassen rund 30 Bücher.

Für sein übersetzerisches und dichterisches Werk erhielt Fabjan Hafner mehrere österreichische und internationale Literaturpreise (u. a. den Staatspreis für Übersetzung und den Petrarca-Preis).

Hafners eigenes Werk als zweisprachiger Dichter erschien zu Lebzeiten in drei Büchern. Die umfangreichen Arbeiten des Herausgebers und Übersetzers scheinen bis zu seinem Tod im Mai 2016 die weitere Ausgabe von eigenen Büchern zeitlich behindert zu haben.

Heuer folgte nun ein Buch mit Gedichten Fabjan Hafners aus dem Nachlass, die der Autor auf Slowenisch verfasst hat. Peter Handke hat diese Gedichte übersetzt und in der Bibliothek Suhrkamp herausgegeben, samt eigenem Vorwort. Ein Widmungsgedicht von Gustav Janu und das bereits erwähnte Nachwort von Dominik Srienc schließen den Band ab, dessen Inhalt dezidiert als "Erste und letzte Gedichte, 1982-2016" bezeichnet wird.

Genauer betrachtet enthält das Buch zwei ungleiche Teile: Es überwiegen die frühen Gedichte (1982-1987) mit 25 Titeln gegenüber den 8 Titeln aus den Jahren 2008-16. Fast durchwegs wirkt in Hafners Gedichten ein melancholischer, häufig düsterer Grundton, der zu existenziellen Zweifeln, Fragen und dem Suchen nach einem kommunizierbaren "Du" führt. In seiner Einführung schreibt Peter Handke: "Es geht da keinmal um irgendein Lyrikspiel. (...) jugendlich-ernst - kindlich-ernst - fabjanhafnerisch ernst." Weiters charakterisiert Handke Hafners Gedicht-Stimmung als "menschenfreundliche Angst, menschensuchende, weltoffene: gibt es die?"

Nicht alle Poeme Hafners erschließen sich einfach, auch nicht bei mehrfachem Laut-Lesen, manches bleibt in einer hermetischen Dunkelheit. Aber bei den frühen Gedichten fällt ein Titel auf, der ein reduziertes, halb abstraktes Liebesgedicht enthält, "Weit weg bin, ein Fremder":

"Spüre nur / deine warme, / unser beider, Sprache. // Mein Mund / ist leer, / Brenn-Punkt / der Stummheit."