Es war einmal eine Eiskunstlauf-Europameisterin namens Eva Pawlik, der widmete niemand Geringerer als Robert Stolz eine seiner insgesamt 19 Operetten, die er für die Wiener Eisrevue schrieb. Pawliks Sohn Romans Seeliger nimmt dies zum Anlass, sein neuestes Klavierkabarett-Programm auch Robert Stolz zu widmen.

Im Zentrum steht allerdings jemand anderer noch viel berühmterer, der noch dazu heuer ein Jubiläumsjahr hat: Ludwig van Beethoven, der am 17. Dezember 250 Jahre alt würde. Eigentlich hätte Roman Seeliger in seinem neuesten Programm einen Abend lang Stücke von und über Beethoven persiflieren wollen (natürlich auf seine gewohnt liebevolle Art) - doch dann kam das Coronavirus und mit ihm die Lockdowns und damit einhergehende Einschränkungen des Kulturbetriebs. Weil aber sein Publikum nicht auf Beethoven verzichten soll, hat er sein Programm mit Hilfe des Karikaturisten Ulrich Chmel in ein Comicbuch gegossen, das nun bei Morawa erscheint.

Roman Seeliger pflegt im Comic wie am Klavier einen sehr zarten Humor. - © www.pianistwien.at
Roman Seeliger pflegt im Comic wie am Klavier einen sehr zarten Humor. - © www.pianistwien.at

Darin muss sich der gute alte Ludwig im Himmel mit einem Plagiatsprozess herumschlagen - und mit der ewigen und bisweilen lästigen Frage, wer denn nun seine "unsterbliche Geliebte" sei, von der so oft die Rede ist. Und dann hat auch noch Einzi Stolz, die Witwe des bereits erwähnten Operettenkomponisten, die Finger im Spiel, weil sie bei Beethoven fette Tantiemen wittert. Achja, und wenn man schon einmal im Musikerhimmel ist, dann kann man auch gleich noch DEN österreichischen Musikstar der 1980er Jahre mitnehmen, und so darf Falco zwischendurch hineinrappen. Wobei der von Anfang an klarstellt, dass sein Herz nicht dem Wickerl gehört, sondern eindeutig dem Wolferl. Ahja, und Beethovens Köchin erläutert in längeren Gastauftritten, warum sie das Köchelverzeichnis für den Herrn Mozart statt für ihren Arbeitgeber geschrieben hat.

Ulrich Chmel zeichnet nicht nur Comics und Karikaturen, der bastelt auch Papiertheater nach alten Vorbildern. - © http://papiertheater.blogspot.com/
Ulrich Chmel zeichnet nicht nur Comics und Karikaturen, der bastelt auch Papiertheater nach alten Vorbildern. - © http://papiertheater.blogspot.com/

Nur das 90-jährige Damentrio, das man aus Roman Seeligers bisherigen Programmen kennt, kommt hier mit keiner Silbe vor - was freilich nur konsequent ist, weilen die Schauspielerin Colette (die "Doyenne"), die Philosophin Gerda und die frühere Tänzerin Ilka doch noch unter den Lebenden, während das Stück ausschließlich im Himmel spielt (mit Ausnahme jener Szenen, in denen Roman Seeliger sich selbst unten am Klavier spielt und hinaufblickt zu den verstorbenen Künstlern).

Ulrich Chmel, dessen Leidenschaft neben dem Zeichnen das Papiertheater ist, hat seine Geschichte in bunte Comicbilder gefasst, die jeweils auf der rechten Seite die Kurzfassung für Lesefaule erzählen. Links liest man dann immer den langen Text, der wie üblich mit Wortspielen und -klaubereien gespickt ist. Und weil der Autor Roman Seeliger heißt, kommen dabei selbst Falcos Raps absolut jugendfrei daher.