Er war ein heilloser Vielschreiber, das sei offen zugegeben. Und wie bei den meisten ihrer Art, ist auch von Alexandre Dumas wenig übrig geblieben. Wer kennt schon "Die Dame von Monsoreau" oder "Kapitän Pamphile"? Und welches Theater spielt "Die schwarze Tulpe" oder "Der Nesle-Turm"?

Aber was geblieben ist von Alexandre Dumas, ist Weltliteratur - auch heute noch: "Die drei Musketiere" (die, genau genommen, vier sind, aber die gute alte Dreizahl behält im Titel die Oberhand - und überhaut: Ist d'Artagnan schon vollwertiger Musketier?), "Der Graf von Monte Christo" (wer hat nicht sofort die Knollennase von Gérard Depardieu vor Augen?).

Alexandre Dumas baute das Chateau Monte Christo. - © APAweb / APA/AFP/MIGUEL MEDINA
Alexandre Dumas baute das Chateau Monte Christo. - © APAweb / APA/AFP/MIGUEL MEDINA

Dumas' Abenteuerromane sind geschrieben wie Filmdrehbücher - und Vorlagen für das Genre bis heute. Am 5. Dezember 1870 ist Alexandre Dumas im Alter von 68 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls Puy in der Nähe von Dieppe gestorben. Der Erfolgsautor war finanziell völlig ruiniert.

Dumas père, Dumas Vater, nennt man den Autor in Frankreich, um ihn von seinem Sohn Alexandre Dumas zu unterscheiden. Auch der jüngere Dumas war Schriftsteller - auf sein Konto geht beispielsweise die "Kameliendame", die von Giuseppe Verdi als "La Traviata" auf die Opernbühne gebracht wurde.

Gewaltiges Gesamtwerk

Mehr als 300 Theaterstücke und Romane hat Dumas Vater verfasst. Jeder wollte ihn lesen. Ein Autor für alle. Seine Romane machten ihn reich. Das Geld brachte er freilich mit seinen Geliebten und Freunden wieder durch. Er baute ein eigenes Theater, um seine Stücke aufzuführen, drei Jahre später war die Bühne bankrott. Dann das Wahnsinnsunternehmen Nummer eins: Dumas errichtet Schloss Monte-Cristo in Port-Marly unweit von Paris.

Am Ende trat er die Nutzungsrechte noch ungeschriebener Romane ab, um sein Leben zu finanzieren. Vor seinen Gläubigern versteckte er sich auf Reisen - die ihrerseits auch wieder Geld verschlangen.

Freiheit ist alles

Aber Dumas schrieb nicht nur über idealistische Freiheitshelden: Höchstpersönlich engagierte er sich 1830 an der Julirevolution, und er stand an der Seite des italienischen Freiheitskämpfers Giuseppe Garibaldi. Das floss natürlich auch in Literatur ein, im konkreten Fall in die weit mehr als 1000 Seiten umfassenden Memoiren.

Kurz gefasst hat sich Dumas in seinen Erzählungen wahrhaft nicht. Hunderte von Seite, auch schon einmal weit mehr über tausend braucht er, um all die Verwicklungen einzufädeln und wieder aufzulösen. Den Leser bei der Stange halten mit immer neuen, immer überraschenden Wendungen, die sich meist gerade am Schluss des Kapitels ereignen und Lust auf das nächste Kapitel machen (das dann, um die Spannung zu steigern, eventuell auf eine Nebenhandlung ausweicht) - heute werden TV-Serien nach solchen Rezepten gemacht. Kein Wunder, dass Dumas' Romane heute vor allem als Basis für Verfilmungen dienen: Mehr als 30 gibt es, immer wieder die "Musketiere", immer wieder "Monte Christo". Jeder Schauspieler will diese edlen Charaktere mit gebrochenen Seelen spielen.

Eheren und Affen

Im Jahr 2002 wurde Dumas père die höchste Ehre Frankreichs zuteil: Zu seinem 200. Geburtstag wurden seine Gebeine in das Pariser Panthéon überführt, wo die Großen der Grande Nation ruhen. Dort liegt er neben seinem von ihm verehrten Zeitgenossen Victor Hugo. Glücklich über dieses Nachlebens-Nahverhältnis wären wohl beide Autoren gewesen.

Überliefert ist von Dumas eine scharfzüngige Anekdote. Dumas' Mutter war eine schwarze Sklavin auf Saint-Domingue (heute Haiti). Auf einem Empfang sprach eine Adelige Dumas darauf an: "Ich habe gehört, Ihr Stammbaum beginnt bei den Affen." Darauf Dumas: "Das ist durchaus möglich, Madame, und der Ihre endet dort."

Apropos Empfang: Zu den letzten schriftstellerischen Arbeiten von Dumas gehört ein Kochbuch. Genießen können - diese Lehre erteilt Dumas. Als Leser sollte man sie freilich vor allem in seinen Romanen beherzigen.