Das Leben auf dem Land kennt viele Entbehrungen, vor allem für den 17-jährigen Romed, den Helden dieses Romans, der auf der Suche nach Abenteuer, Frauen und der großen weiten Welt ist. Nach der Matura möchte er in Wien studieren, aber bis dahin bleibt ihm nur das Pendeln zwischen seinem Heimatort, dem Osttiroler Oberdrum, und der nächstgelegenen "Metropole" Lienz - ein hübsches Städtchen, aber für einen Jugendlichen in den 1990er Jahren nicht gerade eine Offenbarung.

Auch in den Schulbüchern findet Romed nichts vom ersehnten prallen Leben, weshalb er sie oft zur Seite legt, um mit seinen Freunden in einem Jugendclub High-Life zu veranstalten, Unmengen Bier zu trinken oder sich im Kampfsport zu stählen. Währenddessen naht die Matura mit unheilvollen Riesenschritten. Aber es gibt Wichtigeres zu erledigen, als Vokabeln zu lernen, denn Romed hat es sich zum Ziel gesetzt, bis zum Ende der Schullaufbahn seine Jungfräulichkeit (wie gendert man den Begriff in Bezug auf Männer?) zu verlieren. "Doch es ist wie verhext, überall wo wir auftauchen, sind keine Frauen."

Schließlich klappt es aber doch mit den Freundinnen und auch die Matura wird mit Ach und Krach bestanden. Danach wartet schon die nächste Hürde in Form des Grundwehrdienstes. Romed wird als "Zivi" dem Rettungsdienst zugeteilt, was ihn in Teufels Küche bringt, denn statt Bier fließt nun Blut, das er nicht sehen kann. Auch sonst ist er mit der Gesellschaft in vielerlei Hinsicht auf Konfrontationskurs, was nicht gerade zu seiner Motivation beiträgt, sich angepasst zu verhalten: "Patienten sterben, mein Vater verliert seinen Arbeitsplatz, der Kommunismus ist gescheitert; nur unsere wöchentlichen Saufereien im Club K2 laufen immer nach dem gleichen Schema ab. Das beruhigt mich. Verweile, Party, verweile."

Christian Moser-Sollmann, geboren 1972 in Lienz, promovierte mit einer Studie zur Ästhetik der Popkultur und arbeitet als Wissenschafter und Autor in Wien. Wenn er in seinem neuen Roman den Ich-Erzähler in nüchternem Stil, stellenweise mit jugendlicher Sprunghaftigkeit und lässigem Imponiergehabe, dann wieder mit Humor und Tiefgang über seine Erfahrungen berichten lässt, bringt das zwar keine grundlegend neuen Erkenntnisse über die ländliche männliche Jugend, lässt aber auf unterhaltsame Weise die Popkultur der 1990er Jahre Revue passieren. Und auch die persönliche Tonspur des Heranwachsenden läuft beim Lesen mit: Sinéad O’Connor, Bon Jovi, ABBA, Wham!, Nena, Falco, Madonna, The Cure, The Sex Pistols - abgewürgt höchstens vom Bandsalat schadhafter Musikkassetten.