Janice stört sich beim Betreten ihres Hauses zum wiederholten Mal am Raumspray, den ihre Putzhilfe verwendet. Die Figürchen ihrer Kristallsammlung stehen nicht an ihrem Platz und ihre Tochter Becky ist nicht beim Hockeytraining, sondern sitzt, noch in Schuluniform, auf ihrem Bett und bandagiert sich die Füße nach traditioneller japanischer Art. Ein Geschichtsprojekt, erklärt sie, um am eigenen Körper zu spüren, was Frauen früher erleiden mussten. Ihre Mutter leidet schon genug am Streit mit Beckys Vater. Im Laufe von "Die Kunst des Füßebindens" wird klar, wie sehr Janice Angst davor hat, dass ihr Mann sie verlässt. Entsprechend gereizt reagiert sie auf die Eskapaden ihrer Tochter, die ihr wiederum trotz aller Genervtheit im Ernstfall den Rücken stärkt.

Der Irin Danielle McLaughlin gelingt es in ihrem ersten Erzählband, ausgehend von eigentlich unbedeutenden Alltagsanekdoten durch überraschende Bilder mehrschichtige Welten zu öffnen. Ihr erster Roman ist für Jänner 2021 angekündigt, vorerst nur auf Englisch.