Zurzeit wird der Gattungsbegriff gerne als Synonym für allerlei Verschwörungstheorien verwendet, dabei sind Sagen alles andere als das: Für den Tiroler Autor Alois Schöpf versuchten Sagen "über Jahrhunderte, Unerklärliches, Unbegriffenes und Unbegreifbares zu erklären, und zwar (...) aus dem Mund des sogenannten einfachen Volkes". Eine erkleckliche - und symbolgeladende - Anzahl von Alpensagen, nämlich sieben mal sieben, hat Schöpf nun (zu seinem 70. Geburtstag) in einem Prachtband versammelt, in dem es u.a. um große Menschheitsthemen wie Glück und Unglück, Liebe und Begehren, Umgang mit der Obrigkeit, Freuden und Nöten der Erkenntnis und den Tod geht. In dem "Kompendium archaischer Geschichten" wird aus alpiner Sicht versucht, Antworten darauf zu geben, wie man sein Leben klug gestaltet, wo und wann auch immer.

Alte Sagen neu erzählen lassen die Herausgeber Thomas Ballhausen und Sophie Reyer eine Riege österreichischer Autorinnen und Autoren (u.a. Xaver Bayer, der die "Legende vom Basilisken" reloadet, Margret Kreidl, "Die schwarze Frau", Bernd Schuchter, "Der Felsenzinken"...), wobei die Herangehensweise "von der klassischen Nacherzählung bis zum interaktiven Spieletext, von der lyrischen Prosa bis zum filmischen Treatment, vom Essay bis zur dramatischen Szene" reicht. Sagenhafte Zugänge allesamt.