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Eigentlich sind Bücher und Smartphones zwei getrennte Welten. Wenn man Augustus Roses Thriller "Philadelphia Underground" zur Hand nimmt, empfiehlt es sich jedoch, das Handy griffbereit zu haben. Zumindest ab dem zweiten Drittel. Denn der kalifornische Autor hat sich eine etwas komplexe Grundlage für sein Buch ausgesucht. Rose, der jahrelang als Buchhändler gearbeitet hat und dort offenbar ein enormes Wissen über amerikanische Subkultur, urbane Erkundungen, spekulative Wissenschaft, Metaphysik und Alchemie zusammengetragen hat, frönt in "Philadelphia Underground" neben all dem auch seiner Leidenschaft für Marcel Duchamp.

Und so nimmt das Werk des US-französischen Malers und Objektkünstlers breiten Raum ein auf den 459 Seiten, die mit der Teenagerin Lee beginnen, die auf der Highschool als ignorierte Einzelgängerin eigentlich ganz gut lebt, bis sie irgendwann doch Anschluss an Edie, eines der beliebtesten Mädchen der Schule, sucht und auch findet. Dies geht allerdings Hand in Hand mit dem Beginn einer Karriere als Ladendiebin, die bald für die halbe Schule stiehlt. Und es kommt, wie es kommen muss: Die junge Dame wird von ihrer Doch-nicht-besten-Freundin Edie hängen gelassen und landet im Gefängnis. Hier blüht der Autor bereits als Erzähler auf und sorgt für gute Spannung beim Überlebenskampf im Knast.

Doch so richtig in seinem Element ist er, als die junge Protagonistin dann dem Gefängnis entkommt, auf der Straße landet und in die Fänge einer dubiosen Organisation gerät, die sich auf den eingangs erwähnten Duchamp und seine verrückt bis sinnlos anmutenden Installationen bezieht. Hier tut man gut daran, den Künstler und sein Werk zu googeln, will man nicht wie die sprichwörtliche Kuh vorm Scheunentor stehen, wenn Lee und der gebürtige Tscheche Tomi, dem sie in weiterer Folge begegnet und der sie in die Welt von Duchamps Kunst einführt auf Erkundungstour gehen und Antworten auf Fragen suchen, die sie lieber gar nicht erst stellen würden.

Denn das Ganze wird sehr rasch sehr gefährlich, und Lee weiß bald nicht mehr, wem sie noch trauen kann und wem nicht. Und wer da eigentlich nicht nur ihr Leben bedroht, sondern auch andere, nachdem sie ihnen gehörig auf die Zehen getreten ist. Rose baut dabei enorme Spannung auf, ergeht sich allerdings dazwischen dann oft dermaßen langwierig in Duchamp-Betrachtungen und -Interpretationen, dass manche Leser genervt mit den Augen rollen könnten. Aber weglegen will man das Buch dann doch auch wieder nicht, weil zu erwarten ist, dass er den Spannungsfaden wieder aufnehmen und straffziehen wird - was er dann tatsächlich jedes Mal auch tut.