Der Journalist Peter Zakravsky blickt in seinem ersten Roman hinter die Idylle. - © Rosa Zakravsky
Der Journalist Peter Zakravsky blickt in seinem ersten Roman hinter die Idylle. - © Rosa Zakravsky

Eine Schuhschachtel mit Fotografien seiner Großmutter war für Peter Zakravsky der Ausgangpunkt seines Romandebüts. Der Journalist, Jahrgang 1952, arbeitete sich in der Folge ein in eine Zeit, die er selbst nicht erlebt hat und die seiner Generation von den vorangegangenen vielleicht nicht immer ganz authentisch geschildert wurde. Zu frisch waren die Verwundungen (ein Wort, das er passenderweise als Buchtitel gewählt hat), zu persönlich gefärbt die Erinnerungen, als dass eine objektive Betrachtung möglich gewesen wäre.

Die stellt freilich auch sein Roman nicht dar, der im Sommer 1945 spielt: Ein Vertrauter des St. Pöltner Bischofs inspiziert die Kirchen der Dekanate westlich von Wien auf etwaige Kriegsschäden. Es ist ein gewaltiges Arbeitspensum an dutzenden Pfarren, das er sich antut, weil er mit der Gegend spezielle Erinnerungen verbindet, vor allem mit der Wallfahrtskirche Maria Brunn - und mit einer Frau, in die er einst verliebt war.

Was bei Zakravsky aus diesem Ausgangsmaterial herauskommt, ist eine Betrachtung einerseits der Menschen, die nach Weltkriegsende eine neue Normalität zelebrieren (und sei sie noch so scheinheilig) - in einer heilen Welt ohne Nazis, ohne Kriegsversehrte, ohne Kriegszerstörungen -, und andererseits der Landschaft, der die Menschen im Laufe der Zeit alles Mögliche angetan haben. Bei Letzterer ist es eigentlich mehr als eine Betrachtung - es ist eine wahre Liebeserklärung speziell an den Hainbach, der immer noch stetig gen Wien fließt. Komme, was wolle.