An der Uni hat Lucas Fassnacht Altphilologie studiert, ein denkbar harmloses Fach. Das hindert ihn jedoch nicht, als Thrillerautor Kleinholz aus allem zu machen, was ihm unter die Tippfinger kommt. Spionage, Finanzwirtschaft und Hacker - um diese drei Schlüsselbegriffe dreht sich sein neues Buch "Die Mächtigen", das dem Vorgänger "#KillTheRich" um nichts nachsteht. Bloß, dass diesmal keine Staats- und Regierungschefs wie die Fliegen sterben, sondern sich der Tod ein paar Etage weiter unten abspielt. Der Body Count ist trotzdem beinahe höher als in einem Til-Schweiger-"Tatort" - die Handlung hat freilich auch mehr Dichte. Muss auch auf 666 Seiten (ist die Zahl Absicht?), sonst hätte das Buch ja extreme Längen. Hat es aber nicht, im Gegenteil. Fassnacht erhöht sogar die Schlagzahl, je weiter die Geschichte fortschreitet.

Aber fangen wir von vorn an: Am Anfang steht der Suizid eines Start-up-Gründers, der sich plötzlich in einer Partnerschaft mit einer Großbank wiederfindet. Es geht dabei um nichts weniger als die Entwicklung eines Nachfolgers für die Finanzarchitektur Swift, mit dem die EU endlich wirklich unabhängig von den USA werden will. Doch rasch wird (nicht nur dem Leser) klar: Es ist was faul im Staate FEB (wie das Finanzmonster nun heißt), es werden nicht nur Intrigen gesponnen und vertuscht, nein, die Sicherheit des gesamten europäischen Währungssystems - und damit der EU selbst - ist in Gefahr. Mittendrin stecken ein als Sicherheitstester angeworbener Hacker, eine ehemalige Elitesoldatin, eine hochbegabte Mathematikerin, eine Journalistin auf der einen Seite sowie diverse Topmanager und Geheimdienstchefs auf der anderen. Wer von ihnen bis zum Ende überlebt, wird an dieser Stelle nicht verraten. Auch nicht, zu welchem Preis. Nur so viel: Es wird wirklich schmutzig, und zwar in mehrerlei Hinsicht.

Lucas Fassnacht schenkt seinen Protagonisten nichts. Er quält sie, wo er nur kann. Dabei überzeichnet er auch manches, vor allem in den Kampfszenen. Aber auch hinsichtlich Spionage, Hacking und Finanzbetrug - hoffentlich zumindest. Ansonsten müsste man sich nämlich schon jetzt wirklich ernsthafte Sorgen um Europa und sein Geld machen. Es ist eine Art finanzpolitische Dystopie, die allerdings teilweise allzu reale Züge trägt. Drücken wir uns allen die Daumen, dass Fassnachts Geschichte noch lange ein fiktionaler Spannungsroman bleibt.