Falls Sie gelegentlich das Gefühl haben, in einer Welt zu leben, in der die Verblödung, das Narrentum und alle anderen geläufigen Schattierungen der intellektuellen Minderleistung plötzlich um sich greifen wie das heuer unser Leben dominierende Virus aus Wuhan, dann haben Sie vermutlich recht mit dieser Diagnose. Dass manche Menschen nach fast einem Jahr Pandemie noch immer Schwierigkeiten haben, eine Stoffmaske so zu tragen, dass Mund und Nasse bedeckt sind, dass manche damit überfordert sind, den Unterschied zwischen eineinhalb Meter Abstand und sich aneinander reiben zu behirnen und nicht nur bildungsferne Migranten, sondern auch gefeierte Manager reiferen Alters Corona-Partys feiern, bei denen sich ein Dutzend Teilnehmer infizieren - all das scheint nicht geeignet zu sein, die Theorie von der Vernunftbegabung der Spezies Mensch zu stützen. Viel eher scheint, aus welchen Gründen auch immer, ein milieuübergreifender Prozess der Verblödung und der Verrüpelisierung deutlich an Tempo zu gewinnen.

Das ist jedenfalls die Grundannahme der in Bayern recht bekannten Kabarettistin Monika Gruber und ihres Co-Autors Andreas Hock in ihrem neuen Buch "Und erlöse uns von den Blöden - Vom Menschenverstand in hysterischen Zeiten".

Sehnsucht nach dieser Form der Erlösung scheinen derzeit ziemlich viele Menschen zu haben, das Buch ist innerhalb kurzer Zeit auf der "Spiegel"-Bestsellerliste auf den ersten Platz vorgerückt.

Spielarten der Unvernunft

Tatsächlich haben wir es hier mit einem fein leserlichen Vademekum für all jene zu tun, die sich nicht von jener Hysterie haben anstecken lassen, die seit einigen Jahren weite Strecken des öffentlichen Diskurses erfasst hat, mit Corona als vorläufigem Höhepunkt.

Schon das Inhaltsverzeichnis gibt dem Leser einen Begriff davon, welche Spielarten der Unvernunft hier seziert werden: "Love me, Gender", "Berufswunsch Influencer", "Von Burkinis, Schwimmbadkultur und Handtuchhelden", "Müllentsorgung mit Diplom", "Unsere Scarlett schreibt keinen Vierer", "Weiberdämmerung", "Raucher, Autofahrer, Fleischesser" bis "Du Opfer ersetzt nicht die förmliche Anrede" - man merkt schnell, woran sich die Autoren und offenbar ziemlich viele Leser so stoßen im Alltag des Jahres 2020.

Dazu gehören natürlich auch die zahllosen Eruptionen der Unvernunft, die Corona ausgelöst hat, nicht zuletzt beim Staat und seinen Organen. "Jäger konnten zu zweit Jagen gehen, aber zusammen picknicken, war streng verboten. Schleswig-Holsteinern war erlaubt, nach Hamburg zu fahren, aber Hamburgern verboten, nach Schleswig-Holstein zu fahren (...) Zum Glück blieb sich unser plötzlich so aktionistischer Staatsapparat wenigstens in einem Punkt treu, der uns Bürger seit Jahren um den Verstand bringt: der konsequenten Inkonsequenz". Das kommt einem in Österreich auch irgendwie bekannt vor.

Vom Zeitgeist bedrängt

Aber auch abseits der coronainduzierten Blödheiten fühlen sich die Autoren gehörig von Zeitgeist bedrängt, etwa was das Verhältnis zwischen den Geschlechtern betrifft. Was sich etwa im Kino festmachen lässt, wo, so vermuten sie, der nächste Bond gespielt werden wird "von einer alleinerziehenden schwarzen Transfrau und Mutter, die in London in einer subventionierten Sozialwohnung lebt und sich beim MI6 etwas dazuverdienen muss, weil ihr Verdienst als Kassiererin bei Tesco nicht ausreicht (...) und die dann (die Bösewichte) statt nach einem anständigen Martini-Wodka nach einem Spinat-Algen-Smoothie mit einem letal langweiligen Gespräch über die Rolle der Frau im poststrukturalistischen Materialismus niederstreckt, da sie als Pazifistin niemals eine Pistole berühren würde."

Wer dergleichen nicht für Nonsens hält, sondern für eine gesellschaftspolitische Notwendigkeit, wird mit dem vorliegenden Buch vermutlich eher wenig Freude haben, Kulturpessimisten eher bürgerlichen Zuschnittes hingegen werden es gerne lesen.