Stephen Crane (1871-1900) ist außerhalb der USA in Vergessenheit geraten. - © ullstein bild/Granger, NYC
Stephen Crane (1871-1900) ist außerhalb der USA in Vergessenheit geraten. - © ullstein bild/Granger, NYC

Als inzwischen schon etwas ältere Leser haben wir unser Leben mit diesem kleinen Übersetzungsproblem zugebracht: Insbesondere die Vereinigten Staaten von Amerika bringen am laufenden Band Schriftsteller hervor, deren hervorstechendes Merkmal der virtuose Gebrauch von Umgangssprache in allen denkbaren Spiel- und Lesarten ist.

Nun hat das Deutsche keine derartige Umgangssprache, sondern Dialekte. Es gibt kein Rezept, kein approbiertes Verfahren dafür, wie man das umgangssprachliche Amerikanisch in ein angemessenes Deutsch bringen könnte. An den nach 1945 allgegenwärtigen Hemingway-Übersetzungen von Annemarie Horschitz-Horst ist jahrzehntelang herumgemäkelt worden, ich erinnere mich noch mit großem Vergnügen an Robert Gernhardts diesbezügliche Weihnachtsgeschichte "Glück - oder hat Literatur Folgen?" aus dem Bändchen "Glück Glanz Ruhm".

Vermutlich liegt bei Stephen Crane ein ähnliches Problem vor. In den USA gilt er als einer der großen Klassiker des 19. Jahrhunderts, hier auf der anderen Seite des Atlantiks kennen ihn bestenfalls Englisch-Studenten. Von seinem bekanntesten Werk, "The Red Badge of Courage", existieren fünf Übersetzungen ins Deutsche, die im Lauf der Jahrzehnte unter vier verschiedenen Titeln veröffentlicht wurden - nun ist eine sechste erschienen.

Mir scheint allerdings, dass der Übersetzer den scharfen, geradezu knackigen Tonfall des Originals nicht wirklich trifft, weder in den erzählten Passagen noch in der direkten Rede. Nicht genug damit, dass ein Text im Deutschen sowieso schon länger wird, als er im Englischen war, scheint er durch mehr Wörter mehr Stimmung und Farbe hineinbringen zu wollen. So wird gleich anfangs aus dem Grün der Landschaft ein "frisches Grün", und aus "When he had finished" wird "Als er die geplanten Truppenbewegungen erschöpfend geschildert hatte".

Auch die direkte Rede wird auf merkwürdig langatmige Art breit und lang gewalzt, und so war, was ich las, dem Original durchaus ähnlich, aber eher wie eine nicht ideal geratene Nacherzählung.