Die entscheidende Frage steht auf Seite 89 und lautet: "Und was fehlt dir?" Eine knifflige Frage. Das Bemerkenswerte an den Figuren Peter Stamms ist, dass sie sie nicht beantworten können. Ihr Unwohlsein ist ein diffuses.

In seinen neuen Erzählungen schickt der Schweizer Schriftsteller Frauen und Männer, junge und alte Menschen auf die Schattenseiten ihrer Existenz. Fast immer in der Ich-Form, erzählt Stamm von der Gleichgültigkeit der Welt und dem Wunsch, dem eigenen So-Sein zu entwischen. Einmal schert ein Familienvater aus seinem Dasein aus, ein anderes Mal überlässt eine Frau ihr Abbild einem Künstler. Oft umgibt die Erzählungen etwas Nebulöses, nicht Aufzulösendes. Heimlichkeiten stehen im Zentrum, und das Unheimliche ist nie fern.

"Wenn es dunkel wird" versammelt elf Nachtstücke. Nicht selten schlieren Traum und Wirklichkeit, Vergangenheit und Gegenwart ineinander, zuweilen kippt alles ins Surreale, manchmal auch in aparten Kitsch. Kurz: Alles wie immer bei Peter Stamm, bloß diesmal etwas dunkler und mysteriöser.