Lars Norén ist am 26. Jänner in Stockholm im Alter von 76 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Norén galt in seiner Heimat als bedeutendster schwedischer Dramatiker seit Strindberg und als Lyriker von hohem Rang.

Norén wurde am 9. April 1944 in Stockholm geboren. Er begann schon als Jugendlicher zu schreiben. Seine ersten Veröffentlichungen waren Lyrik, und er blieb auf diesem Gebiet produktiv: Zwischen 1962 und 1980 erschien nahezu jährlich ein Gedichtband.

International bekannt wurde Norén indessen mit seinen Dramen. Den ersten Kontakt mit dem Theater hatte er 1961, als er in einem Theater in Stockholm als Regieassistent arbeitete. Mit dem Verfassen von Dramen ließ er sich dennoch Zeit: Der schwedische Rundfunk sendete 1972 sein Hörspiel "Box ett ("Box eins"). Noréns erstes Theaterstück, "Fursteslickaren" ("Der Fürstenlecker") wurde 1973 am Stockholmer Dramaten uraufgeführt.  "Die Fürstenlecker" kamen erst 1972 heraus, der Durchbruch erfolgte Anfang der 1980er Jahre.

In der Folge konzentrierte sich Norén zunehmend auf das Theater: 1993 führte er bei einer Inszenierung von Strindbergs Totentanz 1993 am Dramaten erstmals Regie, 1998 bis 2007 war er Intendant des Stockholmer "Riksteater", von 2009 bis 2011 leitete er gemeinsam mit Ulrika Josephsson des Folksteatern Göteborg.

Im deutschen Sprachraum war Claus Peymanns Bochumer Inszenierung von Noréns "Dämonen" für den Bekanntheitsgrad des Dramatikers förderlich. Thomas Ostermeier eröffnete seine Intendanz an der Berliner Schaubühne 2000 mit einer Inszenierung von Noréns "Personenkreis 3.1.", das sich um gesellschaftliche Randgruppen dreht.

Unbarmherzige Analysen der Gesellschaft

Noréns Blick auf die Gesellschaft war scharf und erbarmungslos. Selbst plakative Ansätze wie der erblindete Kriegsheimkehrer in "Krieg" werden zu unbarmherzigen Analysen der Gesellschaft. Eine Flucht in poetische Wahrheiten wird als Möglichkeit angedeutet, bleibt aber unrealistisch.

Mit Stücken wie "Blut", "Bobby Fisher wohnt in Pasadena", "Eine Art Hades" oder "Nacht, Mutter des Tages" sicherte sich Norén einen Platz unter den meistgespielten Theaterautoren der Gegenwart.

Unfreiwillig die größte Aufmerksamkeit erregte Norén mit "Sieben Drei", das 1993 im Rahmen eines Theaterprojekts mit verurteilten Verbrechern aufgeführt wurde. Norén arbeitete mit Rechtsradikalen, von denen zwei die Theaterarbeit für die Flucht nützten, eine Bank überfielen und dabei zwei Polizisten erschossen.

Norén war wiederholt als Kandidat für den Literaturnobelpreis im Gespräch. Den erhielt er zwar nicht, wohl aber 2003 den Nordischen Preis der Schwedischen Akademie, der als "kleiner Nobelpreis" gilt.