Auch wenn es darum geht, die Welt zu retten. Im konkreten Fall gilt es, eine lebenswerte Erde vor dem Menschen zu schützen - sie ihm damit als Lebensraum zu bewahren. Dazu gilt es, die Spirale aus Klimawandel, Artensterben, Ressourcen-Raubbau und Umweltverschmutzung zu bremsen. Die aktuelle Krisen-Ausgangssituation ist hinreichend erörtert. Doch was tun außer klagen, anprangern und vielleicht noch das eigene Konsumverhalten ändern?

Der britische Finanzanalyst und Autor Edward Posnett hat sich auf Reisen begeben, um möglichen Lösungsansätzen dafür nachzuspüren. Gibt es ihn, den perfekten Rohstoffkreislauf, der nur Gewinner hat, wo keine Seite auf Kosten der andern wirtschaftet? Posnett hat sich auf Spurensuche begeben und ist dem Erntekreislauf von sieben natürlichen Rohstoffen nachgegangen. Er ist dabei immer wieder auf die Gier des Menschen gestoßen, die vorhandene Gleichgewichte gesprengt hat. Er hat alten Konzepten nachgespürt und ihr Scheitern erfahren müssen, aber nach dem Kippen mitunter auch die Rückbesinnung auf eben jene Balance, die die hohe Kunst des Erntens ausmacht und den Kreislauf der Rohstoffgewinnung quasi zum natürliche Perpetuum mobile werden lässt.

Posnetts leise Hoffnung dabei: Mit der Rückbesinnung auf diese Konzepte auch in anderen Bereichen nachhaltige Wege des Wirtschaftens finden.

Ausgangspunkt von Posnetts Reise ist die Eiderdaune, auf die er bei seiner Arbeit im Finanzsektor Londons gestoßen ist. Ihrer Spur folgend, bricht er in die herben Fjorde Islands auf. Dort ernten Isländer seit Generationen feinste Daunen aus Nestern der Eiderenten. Kein Vogel kommt zu Schaden, die Tiere kehren im Gegenzug zu den Nistplätzen zurück. Ein idealer (wenn auch mühsamer und in Zeiten der Kunstfaser wenig ertragreicher) Kreislauf der Rohstoffgewinnung, der nur Gewinner kennt. Hoffnungsfroh zieht Posnett weiter, erforscht sechs weitere "kleinen Naturwunder" scheinbar perfekter und nachhaltiger - für den Leser aber vor allem kurioser - Warenketten. Und er wird enttäuscht.

Abfall als Rohstoff

Die Ernte essbarer und als Delikatesse gehandelter Vogelnester - an sich ein Abfallprodukt - etwa führte an der Nordküste Borneos zur Ausrottung der Salangane und zum Erblühen künstlicher Vogelfarmen in Betonhöhlen. Der aus ausgeschiedenen Bohnen produzierte "Katzenkaffee", ursprünglich ein Überbleibsel der regulären Produktion, mündete für den Fleckenmustang in Sumatra nach der steigenden Nachfrage in Massentierhaltung und Tierquälerei. Die Gier nach der zarten Wolle der Vikunjas in Peru vernichtete - vor einem radikalen Umdenken - beinahe die ganze Population der flauschigen Tiere. Und beim Abbau von Guano, einem konzentrierten Vogelkot, der lange als idealer Dünger eingesetzt wurde, kam es gar zur Verschleppung, Versklavung und dem Tod von Menschen. Sogar bei der Eiderdaune, Posnetts Idealmodell, ist der Autor auf Verlierer gestoßen: Zwar kommen die Enten nicht zu Schaden, dafür wurden die Füchse lokal so gut wie ausgerottet, um die Vögel zu schützen.

Eine nachhaltige Beziehung des Menschen zur Natur: Gefunden hat Posnett sie nicht - zumindest nicht langfristig. Wer also wie der Autor nach der Formel gesucht hat, die Welt mit kluger Erntemethoden zu retten, den wir die Lektüre des Buches enttäuschen. Alles hat einen Preis, zeigen die Geschichten auf. Jeder Eingriff in ein Ökosystem hat unerwartete, meist unerwünschte Folgen. Und des Menschen Gier zerstört früher oder später jedes Gleichgewicht. Was die "Kunst der Ernte" jedoch - trotz der teils ausschweifenden Schilderungen - zur lohnenden Begegnung macht: Posenett schafft Bewusstsein, setzt sich kritisch mit Mythen und Idealbildern auseinander. Auch in diesem Fall gilt: Erkenntnis ist der erste Schritt zur dringend nötigen Veränderung.