Die meisten Krimis, die in den vergangenen Monaten erschienen sind, spielten in einer Welt, in der es keine Pandemie gab, die selbige aus den Angeln hob. Die Wiener Autorin Claudia Rossbacher, deren Herz eindeutig für die Steiermark schlägt, ist nun eine der Ersten, die Corona dezidiert in ihren neuen Krimi eingebaut hat. Allerdings spielt "Steirertanz" nicht mitten in der Pandemie, sondern offenbar im Jänner 2022: Die Pandemie ist mehr oder weniger überwunden, FFP2-Schutzmasken sind inzwischen nicht mehr Pflicht, Silvester durfte wieder ausgiebig gemeinsam gefeiert werden, man trifft sich wieder auf engerem Raum in größerer Runde zur Geburtstagsfeier, und es geht mehr um die (wirtschaftlichen) Folgen der Corona-Lockdowns.

Ansonsten serviert Rossbacher ihren Lesern die gewohnte Hausmannskost: verbale Schlagabtausche zwischen den beiden LKA-Ermittlern Sandra Mohr (überzeugte Steirerin) und Sascha Bergmann (aus Wien zugereister Hauptstädter, der mit dem Landleben so gar nix anfangen kann); einen komplexen Mord, bei dem jeder und keiner verdächtig ist, diesmal im Milieu der Ausseer Dirndl-Erzeuger, inklusive Abstecher zum Steirerball in Wien; und natürlich ganz viel Lokalkolorit, der sich bei Rossbacher zu einer ausführlichen Liebeserklärung an die Steiermark, ihre Landschaft und deren Bewohner auswächst, inklusive Lamento über zerstörerische Auswüchse des Massen- beziehungsweise Luxustourismus.

Wer die bisherigen zehn Fälle von Sandra Mohr und ihrem hassgeliebten Vorgesetzten Sascha Bergmann gerne gelesen hat, wird auch mit dem elften sehr zufrieden sein. Wem Rossbacher zu wenig Krimi und zu viel Land und Leute erzählt, der wird auch mit "Steirertanz" nicht warm werden. So oder so steht fest: Die Krimihandlung selbst hat Hand und Fuß - und am Ende gibt es eine überraschende Wendung. Insofern lohnt es vielleicht sogar für jene, denen das schöne Ausseerland komplett wurscht ist, trotzdem dranzubleiben.