Ein mehr als 700 Jahre altes Todesurteil versetzt derzeit das literarische Italien in Aufregung: Ein Nachfahre des Dichters Dante Alighieri (1265-1321) sowie einige Fachleute wollen den Florentiner Richterspruch vom März 1302 aufgehoben wissen. Bis heute erhitzt dieses Urteil in Florenz die Gemüter.  Geplant ist kein Prozess im juristischen Sinne, sondern eine Art Revision der Urteile.

Dante, geboren vermutlich im Jahr 1265,,geriet in die Florentiner Machtkämpfe und fand sich auf Seite der verlierer wieder. Daraufhin wurde der Dichter der "Göttlichen Komödie" um das Jahr 1302 staatsfeindlicher Umtriebe bezichtigt, zu einer Geldstrafe verurteilt und obendrein für zwei Jahre aus Florenz verbannt. Weil Dante den Spruch nicht akzeptierte, wurde er  zum Tod verurteilt. Er floh ins Exil und kehrte nie wieder nach Florenz zurück. Er starb am 14. September 1321 in Ravenna.

Revision zum Jubiläum

Nach italienischen Medienberichten möchte der Astrophysiker und Dante-Nachkomme Sperello di Serego Alighieri, dass die Urteile überprüft werden. Der Florentiner Jurist Traversi erläuterte, dass das Jubiläum zum 700. Todestag in diesem Jahr eine gute Gelegenheit für die Prüfung biete. Es gehe um die Frage, ob die Urteile im Lichte der damaligen Gesetze korrekt waren oder aus politischen Gründen gefällt wurden. Etwa um Dante als Gegner aus dem Weg zu räumen.

Die Veranstaltung, die unter anderem vom Rat der Anwaltskammer von Florenz unterstützt werde, soll am 21. Mai stattfinden - wenn die Corona-Pandemie es erlaubt. Sperello di Serego Alighieri sowie ein Nachkomme von Cante de Gabrielli da Gubbio, der damals beteiligt gewesen sei, sollen an der Quasi-Verhandlung teilnehmen. (apa)