1977 war es, da erzählte der Tiroler Autor Felix Mitterer die Geschichte eines 99-jährigen sprechenden, schreibenden und fliegenden (nicht bloß flatternden) Huhnes, das Artgenossen aus ihren Legebatterien befreite. Die Superhenne Hanna war dann in den 1980er Jahren fast eine Art Pflichtlektüre für österreichische Volksschulkinder. Die Berliner Autorin Judith Kleinschmidt ist genauso alt wie Mitterers erstes Wunderhuhn-Buch (zwei weitere folgten 2004 und 2007) und wandelt nun mit ihren "Sofabanditen" auf seinen Spuren, zumindest was die zentrale Hühnerbefreiung betrifft.

Allerdings werden die Hühner in ihrer Geschichte (die weit im Gegensatz zu Mitterers Buch ohne Brutalität auskommt) von einem sehr verrückten Schaf befreit, das zu diesem Behufe einen Möbelwagen samt darin befindlichem Mädchen kapert. Ada heißt die Kleine, und ihr kommt die Entführung - wenn man es denn überhaupt als eine solche bezeichnen kann - gerade recht, weil sie nämlich gar nicht übersiedeln will und stinksauer auf ihre Eltern ist. Und so lässt sie sich nur zu gern auf den Roadtrip ein, bei dem Lilli und Ada - daher hat das Buch seinen Titel - eben auch auf dem Sofa hinten im Möbelwagen übernachten, ehe sie in weiterer Folge bei Pepper, der mit seinem Großvater ein altes Observatorium bewohnt, ein gemütliches Bett finden. Das ungleiche Trio trickst dann auch den Hühnerfabrikbesitzer aus und befreit das Federvieh. Und zwar insgesamt 1.000 Hühner. (Die Frage, wie die alle in den Möbelwagen passen, ignorieren wir jetzt einfach einmal, es ist ja schließlich ein Kinder- und kein Sachbuch. Genauso wie den Part, wo Lilli, das Schaf, ganz alleine in der Nacht sämtliche Möbel aus dem Auto rausschleppt, um Platz für die Hühner zu schaffen - was dramaturgisch notwendig ist, weil es dann die eindrucksvolle Szene gibt, in der Lilli es zunächst nicht und nicht schafft, diese Aktion Ada zu beichten, weshalb diese erst recht gegen den Hühnerfabrikanten aufgebracht ist, weil sie ihm die Tat zurechnet.)

Mit der Hühnerbefreiung ist die Geschichte aber natürlich noch lange nicht zu Ende, denn erstens ist die große Frage: Wohin mit den Hühnern. Und zweitens ist Ada ja immer noch ein Quasi-Entführungsopfer, das nunmehr von Eltern und Polizei gesucht wird. Dass am Ende alles gut ausgeht, versteht sich aber natürlich von selbst bei einem Kinderbuch. Bis dahin lernt man aber dank Lilli, die zwar verrückt, aber auch sehr philosophisch ist, ein bisschen was über das Leben. Und ja, das Buch macht nicht nur den Kindern, sondern auch etwaigen vorlesenden Eltern Spaß. Weil es einfach turbulent und wendungsreich ist und der Möbelwagen nicht bloß Sofa & Co, sondern eben auch einiges an Weisheit mittransportiert. Die Themen Tierschutz, Freundschaft und Familie kommen dabei nicht pädagogisch daher, sondern sind ganz nebenbei Teil der spannenden Geschichte.