Alle Viren sind böse, vor Bakterien muss man sich schützen, und am besten ist sowieso nicht sauber, sondern rein - oder vielleicht doch nicht? Das Ehepaar Karsten Brensing und Katrin Linke, beide studierte Biologen, erklärt in seinem neuen Buch "Die spannende Welt der Viren und Bakterien", dass es nicht immer so simpel ist mit diesen kleinsten Lebewesen. Stopp! Was heißt da überhaupt Lebewesen? Viren leben nicht, lernen wir in einem der ersten Kapitel, sie sind am ehesten als biologische Roboter zu bezeichnen. Und selbst für uns schädliche Bakterien sind nicht von Natur aus böse, sondern einfach schlecht an ihre Umgebung angepasst.

So und ähnlich schildern Brensing und Linke für Leser ab 10 Jahren eine Welt, in der es nur so von putzigen kleinen Viechern und Nicht-Viechern wimmelt. Und zwar tut es das deshalb, weil der Illustrator Nikolai Renger ganz viele witzige Viren, Bakterien und andere Tierchen gezeichnet hat, freilich nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die in echt ganz anders ausschauen, nämlich nicht so comichaft. Aber weil es eben ein Kindersachbuch ist, kommt die Aufmachung entsprechend kindlich daher. Die französische Achtzigerjahre-Kultserie "Es war einmal das Leben" lässt grüßen. 

Inhaltlich geht dafür sehr seriös zu. Und zwar so seriös, dass niemand Geringerer als Professor Christian Drosten, eine wahre Koryphäe in Bezug auf Sars-CoV-2, das Buch empfiehlt. Und das Coronavirus nimmt natürlich auch einigen Raum ein: Wir lernen, wie es aussieht, wie es sich verbreitet, was es anrichtet, und wie man sich dagegen schützen kann. Aber wir lernen auch, was Tollwut oder Schimmelpilze sind, wie man Fußpilz vermeidet, warum Bandwürmer gefährlich sind oder wovon sich Krätzemilben ernähren. Und wir erfahren eben auch, dass es nicht nur gute Bakterien gibt (nämlich mehr als 99 Prozent), sondern auch gute Viren - und was sie mit unserem Erbgut zu tun haben.

Spätestens beim Theme Gene beziehungsweise DNA und mRNA zeigt sich das Alter der Zielgruppe. Denn bunte Illustrationen hin oder her: Volksschulkinder finden zwar vielleicht die Bilder witzig, verstehen aber höchstens die oberflächlichsten Erklärungen und schalten wahrscheinlich infolgedessen recht bald ab. Da hilft auch die klare Struktur mit vielen bunten Zwischenüberschriften und Infoboxen wenig. Zu viele Fachbegriffe stecken im Text. Ältere hingegen, die vielleicht im Biologieunterricht schon das eine oder andere zu diesem Thema aufgeschnappt haben, bekommen hier glasklar den (künftigen) Lernstoff so mundgerecht serviert, dass sie sich an keinem Happen verschlucken können. Und auch für erwachsene (Mit-)Leser ist es nicht nur eine Auffrischung dessen, was sie einst gelernt haben, sondern es ist auch noch manches Neue dabei. Und das liegt nicht nur am neuen Coronavirus, von dem zu eigenen Schulzeiten natürlich noch keine Rede sein konnte.

Wer "Die spannende Welt der Viren und Bakterien" in der Hand gehabt hat, wird wohl rasch erneut den Buchhändler seines Vertrauens aufsuchen und für den Nachwuchs gleich auch noch Brensings als "Wissensbuch des Jahres 2019 ausgezeichnetes "Wie Tiere denken und fühlen" und "Wie Tiere sprechen und wie wir sie besser verstehen" bestellen. Es lohnt sich.