Endlich hat Theo sein Ziel erreicht: Der junge, sehr talentierte Pianist wurde an der Musikakademie aufgenommen. Aber er stellt rasch fest, dass ihn das Erreichen dieses Ziels eigentlich nicht befriedigt. Sein hungriger Geist wird zuerst einmal zugemüllt (aus seiner Sicht) mit grauer Theorie, statt sich frei entfalten zu können. Nur in den unkonventionellen Klavierstunden bei Professor Goldstein hat er dieses Gefühl. Allerdings braucht es eine Weile, bis er dessen ungewöhnliches Konzept zwar nicht verstanden, aber zumindest angenommen hat.

Doch wirklich daheim fühlt sich Theo woanders. Nein, nicht zuhause in seinem Studentenzimmer, auch nicht bei seiner Mutter - sondern während konspirativer Treffen einer kleinen Gruppe von Musik-, Tanz- und Theaterstudenten mitten in der Nacht. Was sie planen: Widerstand gegen das Establishment. Was sie tun: Störaktionen gegen die Universitätsleitung und deren Mäzen. Was der Sinn dahinter ist: Man weiß es auch am Ende nach 291 Seiten nicht so genau. Es geht um "die Zukunft". So formuliert es der Kopf, Dreh- und Angelpunkt der Gruppe, die Theaterstudentin Aida, die Theo in ihrer betonten Andersartigkeit, mit ihrem bewussten Verstoßen gegen gesellschaftliche Normen, nicht bloß den Kopf verdreht, sondern sein ganzes Leben von jetzt auf gleich auf selbigen stellt. Lernen? Wozu! Üben? Pipifax! Was zählt, ist der Moment, das Hier und Jetzt, das Auskosten von Grenzerfahrungen.

Und so geschieht mit Theo das, was behütende Eltern wohl als Abrutschen auf die schiefe Bahn bezeichnen würden - wobei es weniger um kriminelle Handlungen geht, sondern vielmehr um verrückte Aktionen. Und je mehr Theo an seine Grenzen geht, desto lebendiger fühlt er sich. Der Spießer wird zum lebenstechnischen Extremisten - bis das Ganze unversehens implodiert. Die Auflösung des Plots geschieht allerdings recht halbherzig, das Ende ist so offen wie die Zukunft, die vor Theo liegt. Natürlich kann man nun argumentieren, dass genau das der Wesenszug eines solchen Coming-of-Age-Romans ist. Trotzdem ist es ein bisschen unbefriedigend, dass die über knapp 300 Seiten allmählich aufgebaute und immer strammer gezogene Spannung plötzlich derartig in sich zusammenfällt. Auch, weil einiges unausgesprochen bleibt, vielleicht nicht zwischen Theo und Aida, aber zwischen ihm und den anderen Figuren.