Der Schweizer Schriftsteller Philippe Jaccottet ist im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in der französischen Gemeinde Grignan gestorben. Dies teilte seine Familie am Donnerstag mit.

Der Lyriker Philippe Jaccottet in seinem Arbeitszimmer im Jahr 1991. - Erling Mandelmann / photo©ErlingMandelmann.ch/Wikimedia
Der Lyriker Philippe Jaccottet in seinem Arbeitszimmer im Jahr 1991. - Erling Mandelmann / photo©ErlingMandelmann.ch/Wikimedia

Philippe Jaccottet ist einer der wenigen Schweizer Autoren, die bereits zu Lebzeiten in die renommierte Bibliotheque de la Pleiade des Gallimard Verlags aufgenommen wurden. Er kam am 30. Juni 1925 in Moudon zur Welt.

Berühmt wurde der Autor, als 1976 "Airs" bei Gallimard erschien: "Diese Gedichtsammlung wirkte wie eine Offenbarung, da hat es beim Publikum Klick gemacht", erklärte Jose-Flore Tappy, Dichter und enger Freund des Schriftstellers, im vergangenen Sommer gegenüber Keystone-SDA. Das Buch leitete auch die Veröffentlichung seiner Werke in der Bibliotheque de la Pleiade ein.

Wie kann man nach der Shoa weiterschreiben?

Jaccottet hat in der Nachkriegszeit einen Nerv getroffen. Für den Schriftsteller und Dichter war es nicht leicht, die Feder wieder in die Hand zu nehmen. Wie kann man weiter schreiben? Was kann man sagen? Fragen, mit denen er sich, wie so viele andere, auseinandersetzte.

Ein Beweis dafür, dass Jaccottets Worte nach wie vor Anklang finden, ist die jüngste Übersetzung von "Der Pilger und seine Schale - Giorgio Morandi" ins Chinesische. Mehr als 8.000 Exemplare wurden gedruckt und im Rahmen einer großen, dem italienischen Maler Giorgio Morandi gewidmeten Ausstellung in Peking veröffentlicht.

Seine Bücher wurden in rund zwanzig Sprachen übersetzt. Außerdem war Philippe Jaccottet selbst einer der wichtigsten zeitgenössischen Übersetzer. Er übersetzte Texte ins Deutsche, Spanische, Russische, Italienische, Tschechische, Japanische und sogar ins Altgriechische. Darunter finden sich Texte von Autoren wie Homer, Rainer Maria Rilke, Hölderlin, Musil, Thomas Mann oder Ingeborg Bachmann. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Großen Schillerpreis im Jahr 2010. Sein Archiv befindet sich in der Bibliotheque cantonale et universitaire in Lausanne. (apa)