Auch in ihrem zweiten Roman erzählt die in Wien lebende Autorin Ljuba Arnautovic aus der Geschichte ihrer Familie, die heftiger als viele andere mit der "großen" Geschichte des 20. Jahrhunderts verquickt ist. Der einmal ihr Vater sein wird, ist 1934 ein kleiner Bub, dessen Vater, ein Schutzbundmitglied, nach der Niederlage im Bürgerkrieg über die Grenze in die Tschechoslowakei flüchtet. Schließlich gelingt es ihm, nach England zu entkommen. Seine beiden Söhne, Slavko und Karl, gehören zu jenen Kindern, die zunächst freundliche Aufnahme in der Sowjetunion finden, in einem Ferienlager auf der Krim und dann in einem Kinderheim.

- © Zsolnay
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Das geht einige Jahre gut, ja es erscheint - so absurd das klingen mag - als eine paradiesische Zeit in einer infernalischen Epoche. Unter Väterchen Stalin lebt es sich gemütlich - bis Hitler den Nichtangriffspakt bricht und aus den österreichischen Kindern mit einem Mal feindliche Ausländer werden. Von da an wird nichts mehr gut, Karl landet als Kleinkrimineller im Gulag. Er überlebt mit viel Glück und findet sogar, als er nach Stalins Tod nach zehn Jahren endlich entlassen wird, in Russland die Liebe einer Frau, Nina, der Mutter der nachmaligen Erzählerin dieses Romans. Zwar kann die frischgebackene Familie relativ unproblematisch nach Österreich ausreisen, doch Nina hält es vor Heimweh hier nicht aus, und dann wird auch noch um die Kinder gestritten ...

Kaum gibt die "große" Geschichte einmal Ruhe, beginnt die endlose Reihe der Widrigkeiten, die auch jeder andere aus seinem Jedermannsleben kennt, von sich oder aus seiner Umgebung. Das ist vielleicht die Lehre aus dem Roman: Zuerst braucht man eine Menge Glück, um überhaupt lebendig durch die einem zugemessene Lebenszeit zu kommen, und zugleich bräuchte man mindestens noch einmal so viel Glück - für ein bisschen Glück im Leben.