Homeoffice ist wunderbar - sagen Leute, die keine Kinder haben und somit in Ruhe daheim arbeiten können. Wer allerdings Betreuungspflichten mit Arbeitsaufträgen unter einen Hut bringen muss, wäre froh um eine rasche Rückkehr ins Büro. Dieses Thema haben auch Albertine (Illustrationen) und Germano Zullo (Text) in ihrem neuen Bilderbuch "Du, was machst du gerade?" aufgegriffen - und zwar vermutlich direkt aus dem eigenen Leben. Denn es geht um einen Großen (den Schriftsteller Roberto) und eine Kleine (seine mutmaßliche Tochter Marie), die gemeinsam daheim sind: er im schreiberischen Homeffice, sie in spieltechnischer Langeweile. Und so kommt es, wie es kommen muss: "Robääärto!", quengelt die Kleine, die nicht einsieht, dass der Große daheim ist, aber keine Zeit für sie hat (kommt Ihnen das bekannt vor?).

Roberto nimmt sich dann tatsächlich Zeit für Marie, aber ihrer Meinung nach viel zu kurz. Und so übernimmt sie das Ruder und bindet ihn in eine Geschichte ein, die nun sie erzählt, von einem bösen Frosch, einer guten Fee und einem noch böseren Monster. Die kindliche Fantasie setzt sich am Ende durch gegen die erwachsenen Pflichten, denn Roberto lässt tatsächlich von seiner PC-Arbeit ab und wendet sich Marie zu. Und wer weiß, vielleicht ist das Bilderbuch "Du, was machst du gerade?" ja auch tatsächlich genau auf diese Weise entstanden. Dann wäre dies der beste Beleg dafür, dass die Zeit, die wir unseren Kindern schenken, alles andere als verlorene Zeit ist.

Albertine & Germano Zullo: Du, was machst du gerade?
Aladin; 88 Seiten; ab 4 Jahren; 17,50 Euro
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